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Das 8,6mm Antares W70 Series

Das 8,6mm W70

Dieses Okular stammt wie die bekannten Speers Waler vom kanadischen Hersteller Antares. Es ist aber anzunehmen, daß es sich letztendlich um ein Produkt aus rein fernöstlicher Produktion handelt, denn offenbar baugleiche Okulare bilden seit kurzem einen Teil der TS-WA-Reihe. Erhältlich sind 5,8mm, 8,6mm, 14mm, 19mm und 25mm. Das 19mm wird als TS-WA offenbar als 20mm angeboten. Auf der Packung des 8,6mm findet sich jedenfalls "Made in Canada".
Rein äusserlich wirkt das Okular auf den ersten Blick ungewöhnlich, da der Okulartubus nicht schwarz eloxiert wurde, sondern in modernem “Alu-Silber" blinkt. Griffige Gummiarmierung und eine Gummimuschel fürs Auge sind für Okulare heutzutage Standard und finden sich auch hier. Die Linsenfassung im Innern der Augenmuschel ist allerdings doch eloxiert, das helle Metall würde die Beobachtung stören.
Die unterste Linse des Okulares, offenbar ein Barlow-Element und keine echte Feldlinse, liegt recht nah am Rand der Steckhülse. Beim hantieren mit Einschraubfiltern sollte man also ein wenig vorsichtig sein um Fingerabdrücke zu vermeiden. Das Barlow-Element trägt eine violette Vergütung. Die mit 21mm Durchmesser recht grosse Augenlinse zeigt hingegen eine typische, grüne Multivergütung. Von inneren Flächen allerdings kommen recht deutlich blau-violette Reflexe durch. Insgesamt 7 Linsen soll das Design enthalten und die verschiedenfarbigen Reflexe (gelb, violett, grün, blau) lassen darauf schliessen, daß nicht nur die äusseren Linsen eine Multivergütung tragen. 18mm Augenabstand sind eine Herstellerangabe, die sich aber insofern bestätigt, als daß sich auch mit Brille die vollen 70° scheinbares Gesichtsfeld problemlos überblicken lassen. All das verpackt Antares angenehm klein in 75mm x 39mm bei grob 150g Gewicht. Und dies zu einem Preis von derzeit weit unter 100 Euro.

Augenlinse und Barlow-Gruppe
Augenlinse (l) und “Feldlinse” (r). Das Barlow Element liegt weit aussen und kann leicht Opfer von “Fingertatschen” werden

Die Eckdaten klassifizieren das 8,6mm W70 als Deepsky-Okular. Meine erste Beobachtung mit dem 8,6mm W70 war jedoch ein kurzer Abstecher auf den tiefstehenden Jupiter am 8" f/6 Newton. Während die Bedingungen wenig aussagekräftig über die Abbildungsqualität des Okulares sein konnten, zeigte sich doch eine leichte Neigung zu innerem Streulicht. Dies gab den Anlaß, das Okular nicht nur von Aussen genauer unter die Lupe zu nehmen.
Während bei den meisten Okularen die "Teil-Demontage" nicht besonders ratsam ist, geht dies beim W70 recht problemlos. Die Steckhülse lässt sich komplett mit der enthaltenen Barlow-Linsengruppe abschrauben. Ein beherzter Griff an die Augenmuschel - und auch der obere Optikteil lässt sich als eine komplette Baugruppe abschrauben. Übrig bleibt nur der leere Alu-Tubus. Und hier findet sich auch ein Grund für das bemerkte Streulicht. Das Innere dieser Aluhülse ist nur schwarz eloxiert, was als Schwärzung völlig unzureichend ist. Die Fläche glänzt unter flachem Winkel recht stark. Was Antares hier versäumt hat, sollte nun der Pinsel nachholen. Schwarzer Mattlack beseitigt das Problem dann, wie auf dem Bild weiter unten eindrucksvoll zu erkennen ist. Interessanterweise ist das Innere der Steckhülse mit Mattlack versorgt worden. Warum man dies bei der viel größeren Fläche im Okulartubus versäumt hat, ist unverständlich. Die unterste Linse der oberen Baugruppe füllt inclusive Fassung den Tubus nämlich voll aus. Die vormals glänzende Wandung ist also sehr nah am Strahlengang.
Der Eingriff hat dem Okular gut getan. Rein subjektiv hat sich der Kontrast zum Himmelshintergrund verbessert, wobei natürlich zwischen den Beobachtungen einige Tage vergangen sind.

Das W70 zerlegt in die 3 Baugruppen
Die Optik lässt sich einfach in zwei Gruppen abschrauben...

Die ersten Deepsky-Beobachtungen fanden am TS/Orion 12" f/4 Newton statt. Weitere Beobachtungen mit dem Vixen R200SS folgten. Das 8,6mm W70 zeigte sich dabei als ein durchaus f/4-taugliches Okular. Besonders über das Feld betrachtet ist die Sternabbildung gut. Erst ausserhalb von etwa 65° vergrößern sich die Sternabbildungen leicht. Auf der Achse allerdings konnte das Okular nicht voll überzeugen. H&Chi brachten es an den Tag: Die Sternabbildungen waren leicht vergrößert, was im Vergleich zum Speers Waler Zoom 5-8 (bei 8mm) deutlich Größenklassen kostete. Auch die Transmission schien im Speers Waler Zoom besser zu sein, obwohl hier 9 Linsen gegen 7 antraten. Das W70 entstammt eben einer völlig anderen Preisklasse und kann hier nicht mithalten. Das Einblickverhalten war übrigens unproblematisch.

Der Okulartubus mit und ohne Mattlack
Wie man sieht: Der Mattlack hat sich gelohnt (rechts).

Fazit: Das Antares 8,6mm W70 empfiehlt sich für Sternfreunde, die ein günstiges Okular für die Deepsky-Beobachtung suchen. Bemerkenswert sind die in dieser Preisklasse ungewöhnlich guten Eigenschaften an kurzbrennweitigen Geräten. Wer also bei der Anschaffung eines neuen Dobsons gern etwas weniger Geld in Okulare stecken möchte, der ist mit dem 8,6mm W70 gut beraten. Ob sich diese Eigenschaften aber besonders auf die langbrennweitigen Okulare derselben Bauhreihe übertragen lassen, sollte zunächst einmal bezweifelt werden, da hier eventuelle Abbildungsprobleme durch Bildfeldwölbung und Okularastigmatismus stärker zutage treten.

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