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Der Baader Skysurfer III
ein Leuchtpunktsucher in der Praxis

In den letzten 3 Jahren findet sich besonders an günstigen Teleskopen immer häufiger ein Leuchtpunktsucher anstatt des "üblichen" 6x30 oder des oft sehr dürftigen 5x24 Suchers. Obwohl ich als Deepsky-Fan eigentlich ein überzeugter Anhänger des 8x50 Suchers bin, reizte mich der "Selbstversuch" mit der nicht ganz neuen Sucheridee.
Der Leuchtpunktsucher funktioniert, indem ein kleiner, roter Lichtpunkt "auf den Himmel", vielmehr als Reflex auf eine Linse projiziert wird. Die Linse wird dabei so kombiniert, daß sie ohne Vergrößerungswirkung bleibt, also fast wie eine Glasscheibe den Himmel zeigt. Dabei soll der Leuchtpunkt immer die wirkliche Peilrichtung des Teleskopes markieren, auch wenn man mit dem Auge nicht geradeaus durch den Peiler schaut. Zum Aufsuchen von Objekten hat man also keine zusätzliche Vergrößerung zur Verfügung.
Von meinen Beobachtungsgewohnheiten her, konnte ich dem ganz gelassen entgegen sehen. Zur groben Orientierung mit dem 8x50 bin ich es gewohnt, über zwei Justageschrauben der Sucherhaltung zu peilen. Und in alten Sternwartenzeiten musste der sucherlose 300/1500 Newton über die secheckigen Aussenkanten der Rohrschellen eingepeilt werden - mit einem 1,25" Okular.
Ohne viel Produktinformation einzuholen, kaufte ich auf dem ATT den erstbesten Leuchtpunktsucher - es handelte sich um einen Baader Skysurfer III. Einziges Kriterium war, daß der Sucher in den Vixen-Sucherschuh am R200SS und in den sehr ähnlichen Sucherschuh am Orion-Newton passen sollte. Der Skysurfer III wird mit 3 Halterungen für verschiedene Teleskoptypen geliefert. Hier findet sich zum einen die Prismenhalterung für diverse Sucherschuhe, zum anderen eine Halterung zur Verschraubung am Tubus, mit einer Rundung für eher kleine Tubusdurchmesser um 100mm und einem Adapterstück für Tuben bis zu 6 Zoll Durchmesser. Weiterhin gibt es eine flache Montageplatte, die offenbar für 8" SCs geplant ist. Die Sucherhalterungen sind komplett aus Kunststoff. Und natürlich stellte sich alsbald heraus, daß die Halterung vielleicht in die größere Aufnahme an Celestron oder Synta-Geräten passen mag, aber für das R200SS um einen halben Millimeter zu dick war. Noch enger war der Sucherschuh am Orion-Newton. Nach einer Stunde Feilarbeit passte der Sucher auf das R200SS, nach einer weiteren Stunde passte er in die Aufnahme von Orion, und nochmals eine halbe Stunde später waren die Seitenflächen auch soweit gerade, daß der Sucher zumindest ausreichend gerade im Sucherschuh saß - er lässt sich nun eben noch passend zum Teleskop justieren.

Zum Glück ist der Fuß der Prismenaufnahme dick genug, so daß auch nach der wirklich elenden feilerei noch genügend Kunststoff für einen Stabilen halt übrig ist. Aber es ist mal wieder typisch, daß man mit den vielseitig "gedachten" Montagemöglichkeiten Schiffbruch erleidet, weil der Hersteller eben nicht genau genug hingesehen hat, wie groß die diversen Aufnahmen wirklich sind.
Der eigentliche Sucher wird mit 2 Schrauben auf die eigentliche Halterung aufgeklemmt. Auch der Sucher ist aus Kunststoff. 2 Rändelschrauben ermöglichen eine Justage nach oben oder unten, und nach rechts oder links. Ein Drehschalter schaltet den Sucher ein und regelt die Helligkeit des Punktes. Gut zugänglich findet sich als Stromversorgung eine große Litium Knopfzelle an der Unterseite des Suchers.

Der Schriftzug "Fiber-Pointer" lässt ahnen, daß eine Glasfaser als Lichtleiter dient, und so einen feinen Leuchtpunkt erzeugt. Der Leuchtpunkt ist bei Tage kaum zu sehen, bei Nacht allerdings selbst in schwächster Stellung schon recht hell, deutlich heller als Jupiter, der trotz seiner weissen Farbe im roten Leuchtpunkt unterging.
In der Praxis erwies sich der Leuchtpunktsucher aber als ein voller Erfolg. Zunächst machte ich den Fehler, einäugig durch das "Rohr" zu schauen. Die Optik dunkelt den Himmel nur unmerklich ab, aber der Himmelsausschnitt ist zu klein. Als ich aber bewusst beidäugig schaute, erhielt ich den Leuchtpunkt perfekt "eingeblendet", und ich konnte unverkrampft und ohne Verlust an Größernklassen das Teleskop ausrichten. Der Lichtpunkt bleibt auch bei deutlichen Kopfbewegungen "an Ort und Stelle", ein schräger Einblick führt also nicht zu einer Abweichung.
Wichtig ist vor allem, daß man die Position eines Objektes anhand benachbarter Sterne einschätzen kann. Hat man dieses "Orientierungsgefühl" so hat man wirklich "ruck-zuck" auch schwierige Objekte eingestellt. In Zenitnähe ist M51 ein solches - das Teleskop ist in Polnähe schwierig zu schwenken, und die Bildumkehr des gewohnten 8x50 Suchers machte die Orientierung nicht leicht - der unbequeme Einblick lässt in Zenitnähe auch schnell mal den falschen Deichselstern im Sucher erscheinen... Mit dem Skysurfer III hingegen ließ sich das Teleskop sehr einfach an den richtigen Punkt dirigieren. Tauchte ein Objekt nicht auf anhieb im Bildfeld des Okulares auf, so genügte ein kurzes Absuchen im Kreis, um das Objekt doch zu finden - kein Objekt war weiter als 2 Grad von der Bildmitte entfernt, und das Suchen gelang umso genauer, umso besser ich die relative Position zu den Nachbarsternen kannte bzw. aus der Sternkarte gemerkt hatte.
Problematisch wird es nur bei Objekten, die relativ weit von Orientierungssternen entfernt stehen. M3 sei als Beispiel genannt. Es kommt dann eben auf ein gewisses "Händchen" an, und so ließ M3 sich beim 2. Anlauf mit etwas "herumrühren" in der ungefähren Gegend finden.

Eine schwäche des Skysurfer in Kombination mit der “menschlichen Bedienung” ist aber der Batterietod, weil man das Abschalten vergisst. Es ist ganz normal, daß man den Sucher beim ersten Blick ins Okular eingeschaltet lässt - es könnte ja noch etwas Korrektur nötig sein.Wird das Objekt dann gefunden, ist der Sucher schon vergessen, und damit auch der Stromverbrauch. Wesentlich innovativer wäre also ein Zeitschalter, der nach ca. einer Minute den Leuchtpunkt automatisch abschaltet.

Fazit: Für mich war die Anschaffung des Skysurfer III ein voller Erfolg. Ich würde zwar nicht ganz auf meinen 8x50 verzichten wollen, aber er wird wohl an den meisten Abenden in der Kiste bleiben.


Trotz Linse - keine Vergrößerung

Batteriesparschaltung für den Skysurfer III und andere Leuchtpunktsucher

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