Far Out - meine Astronomie-Homepage

Ein typisches Ebay-Teleskop

Natürlich gibt es auch sehr seriöse Angebote für Teleskope beim wohl bekanntesten Online-Auktionshaus. Regelmässig und Massenhaft zu finden sind allerdings Angebote von Händlern, die absolut keine Erfahrung mit den verkauften Geräten haben.
Ein besonders krasses Beispiel habe ich mir hier angeschaut. Für mich war dieses Angebot eine wirklich amüsante Lektüre, für den Laien das Lockmittel zu einem gefährlichen Reinfall.

Die ganze Artikelbeschreibung gibt es hier zu lesen bzw. als Grafik zu betrachten:  900mm Spiegel-Teleskop (153Kb - Grafik)

Ich habe aus der Produktbeschreibung, die links verkleinert abgebildet ist, die nettesten Stellen herausgeschnitten und kommentiert...


Der erste “Brüller” ist die Bezeichnung. Ein 900mm Spiegelteleskop meint im üblichen Sprachgebrauch den Spiegeldurchmesser. Hier wird es wohl eher die Brennweite des in Wahrheit 76mm grossen Spiegels sein, einen 900mm Spiegel kann man nämlich gegen einen neuen Ferrari eintauschen...

Anbetrachts des Ferraris kosten diese Geräte wirklich mehr als tausend Euro, in Melle (Niedersachsen) steht ein 1120mm Spiegel, der für einige hunderttausend Dollar (ein Spottpreis) in Russland beschafft wurde. Das war aber der nackte Spiegel, von Montierung und Haus drumherum reden wir noch nicht...
Ein Spiegel mit 76mm Durchmesser (versteckt zu finden) wäre eher für 169,- DM denn 169,- Euro korrekt bezahlt. Anstatt 700 Euro zu sparen, wird der Käufer um 70 Euro betrogen.

Ein echter Dauerbrenner:

Newton-Teleskop in “Erdkampfstellung”. Ja! Dieses Newton-Teleskop betrachtet gerade die Radieschen von oben.  Beim Newton-Teleskop sind Sucherteleskop und Okular am oberen Ende des Rohres montiert. (Siehe unter
Optiktypen)
Dieser Händler weiss das nicht. Solche Bilder sieht man bei Ebay täglich!


Zunächst mal: Eine Vergütung dient dazu, die Spiegelung auf Linsen zu verringern. Ein Spiegel aber erzeugt sein Bild eben durch Spiegelung und wird nicht vergütet, sondern verspiegelt...
Der Kardinalfehler. Die Faustformel für die Nutzbare Vergrösserung eines Teleskops ist Öffnung in Millimeter mal zwei. Hier also 76 x 2 = 152. Die Vergrößerungen 225x und  450x ergeben kein scharfes Bild mehr. Man kann zwar mit dem beigelegten Zubehör diese Vergrößerungen erzielen, aber nicht mehr scharf stellen.


Dieses Spiegelteleskop ist ein Supermarkt-Teleskop. Baugleiche Geräte gibt es in jedem grösseren Modeversandhaus, im Supermarkt, in Discounterketten...
Es handelt sich um ein Einsteigergerät der unteren Kategorie, keinesfalls um ein Präzisionsinstrument. Auch das Zubehör ist minderer Qualität. Sollte der Einsteckdurchmesser für Okulare 24,5mm messen, statt 31,8mm wie bei ordentlichen Geräten, so wirft man mit diesem Teleskop Geld zum Fenster hinaus, weil sich für 24,5mm kaum vernünftige Okulare finden lassen.
Ein Indiz dafür ist die Okularbrennweite 4mm (*) (es sind Okulare mit 20mm, 12,5mm und 4mm beigelegt, dies ist die Okularbrennweite, nicht der Einsteckdurchmesser). In dieser Preisklasse gibt es nur ein 4mm SR-Okular mit Linsen aus Plastik. Dieser (Nicht-)Qualität dürften auch die übrigen Okulare entsprechen. Sollte das Teleskop die Möglichkeit zum Einstecken von Okularen mit 31,8mm Durchmesser bieten, so ist es ein brauchbares Einsteigerteleskop. Es ist aber wieder Ebay typisch, das diese wichtige Angabe fehlt.

*)Anm.: Dies trifft nicht mehr zu, der Bericht stammt aus dem Jahre 2003, unterdessen gibt es 4mm Kellner-Okulare auch in 31,8mm Steckdurchmesser.


Während der Mondfilter wirklich hilfreich und nützlich ist, ist der Sonnenfilter hoch gefährlich. Diese ins Okular einzuschraubenden Sonnenfilter sind eine brisante Beilage, die Unfallgefahr mit Erblindungsfolge ist nicht von der Hand zu weisen! Mein Artikel über
Sonnenfilter erläutert, warum.


Ein Wunder, daß hier nicht wieder mit Prosa und Propaganda geschwärmt wird. Ein 5x24-Sucher ist ein Sucher, aber kein Finder! Dieser hier wird wohl wie üblich Plastiklinsen haben. Vernünftige Sucher fangen bei 6x30 an, also 6-fache Vergrößerung und 30mm Linsendurchmesser.


Das beste kommt zum Schluß. Es ist zwar schön, daß eine parallaktische Montierung dabei ist, allerdings lässt der Händler hier bezüglich Fachwissen die Hosen herunter!
Da man ja mit 2-Achsen (rechts/links, oben/unten) jeden Punkt an Himmel und Erde anvisieren kann, ist wohl von zusätzlicher Freiheit kaum die Rede! In meiner
Einsteigerecke steht, weshalb eine parallaktische Montierung so nützlich ist.

Zum Schluß noch ein Kalauer: “Augenstücke” übersetzt der Händler das Wort “Eypiece”, das er in der englischen Anleitung des asiatischen Herstellers nicht recht verstand. Nun, wer nur ein wenig mit Feldstechern, Mikroskopen oder anderer Optik zu tun hat, der wird das richtige Wort kennen: “Okular”

Fazit: Wer bei Ebay ein Teleskop erwerben möchte, sollte sich genau auskennen, was er da kauft, oder sich zuvor bei erfahrenen Sternfreunden informieren. Da eine Auktion bei Ebay üblicherweise 8 Tage dauert, sollte das unkompliziert per Email möglich sein.

Weiterhin empfehle ich, in meiner Einsteiger-Ecke zu stöbern, damit man sein Geld vernünftig anlegen kann.

Ähnlichen Unfug bekommt man übrigens auch per Fax: Ein weitere lesenswerter Bericht über Teleskopwerbung.
Auch die Deepsky-Brothers beschäftigen sich mit dem Thema
Werbung.

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