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2-Zoll Filtergewinde und Toleranzen


"E48" Hinter diesem Code verbirgt sich das Filtergewinde für 2 Zoll Okulare. Was eigentlich eine glasklare Norm sein sollte, gerät in der Praxis zu einem kostspieligen Ärgernis.
Denn leider sind nicht alle Gewinde, die diesem Standard entsprechen wollen, der Norm entsprechend gefertigt. In der Praxis sieht es dann so aus, dass allzu oft die Filter durch das Gewinde des Okulars einfach durchrutschen, oder das andere Filter sich nach kaum einer Viertelumdrehung festsetzen.
Die Folge: Unversehens rutscht ein Filter ins Teleskop hinein (beim Newton), kann Fangspiegel oder Komakorrektor und gar den Hauptspiegel beschädigen. Ein andernmal sind die Gewinde nicht mehr voneinander zu trennen, nachdem der Filter im Gewinde abgekühlt ist - der Sternfreund findet sich dann zu Hause schnell dabei, Okular und Filter mittels Eisfach und warmen Wasser wieder voneinander zu trennen. Jedes mal besteht Gefahr für die empfindlichen optischen Flächen.

Um es einmal klarzustellen: Es geht hier nicht einfach um irgendwelche günstigen Geräte, nein es geht auch um Okulare in der Preisklasse um 300 Euro und mehr, und um Filter für 200 Euro und mehr. Das Problem ist nicht beschränkt auf bestimmte Hersteller - es lässt sich aber für die meisten Hersteller eine Tendenz angeben, wie "rutscht durch" oder "zieht sich fest".
Wenn hochwertige Okulare nicht mit hochwertigen Filtern zusammenkommen, dann ist der Sternfreund wohl mit recht sauer, wenn Equipment für über 500 Euro nicht zusammen funktioniert, obwohl gerade das durch die einfache Norm "E48" sichergestellt sein sollte.
Das Problem existiert auch nicht seit gestern. Schon seit einigen Jahren gibt es Hersteller, wie AOK in der Schweiz, die Adapterringe fertigen, mit denen der durchrutschende Filter doch noch ans Okular gebracht wird. Aber in der Praxis sind die Toleranzen so gross, dass manch ein durchrutschender Filter sich in besagtem Adapter nun wieder verklemmt, oder die Verlängerung der Steckhülse durch Filter und Adapterring nun brennpunktnahe Korrektorlinsen in arge Kratzergefahr bringt!

Für Produkte in dieser Preisklasse ist dies eigentlich ein Zustand, der schleunigst behoben werden sollte. Für mich als Sternfreund, der an mechanischer Messtechnik mehr als einen Messschieber (Schieblehre) nicht aufbringen kann, ist es schwer, festzustellen, wem die Schuld zuzuweisen ist.
Das Thema ist tatsächlich auch nicht auf Zwei Zoll Zubehör beschränkt. Leider kommt es auch (selten) bei 31,8mm Zubehör vor, während es für 24,5mm anscheinend gar keine Norm gibt.

So bleibt an dieser Stelle wenig mehr zu tun, als auf diesen Missstand eindringlich hinzuweisen. Der Kunde an sich ist ja schlicht entwaffnet, wenn zwischen dem Kauf der Komponenten einige Jahre Abstand und damit eine abgelaufene Garantiezeit liegen.

In dieser Preisklasse muss man diese allzu alltäglichen Mängel auch schlicht eine Frechheit der Hersteller nennen. In der Praxis sieht das dann so aus, wie die Erlebnisse meines Sternfreunds André anschaulich und beispielhaft wiedergeben:


 

Zwei Zoll Gewinde und deren Toleranzen

- André Walczak -


Gemeinhin gibt es ja etliche Gewindenormen, sowohl im metrischen Bereich, wie auch im zölligen, auf die man sich eigentlich verlassen kann -es passt einfach immer, oder naja, wie dieser Bericht zeigen soll nicht wirklich immer.
Gerade die in der Amateurastronomie weit verbreiteten zwei Zoll Gewinde, die der Norm E48 entsprechen, also ein 48mm Gewinde mit einer Steigung von 0,75 aufweisen sind anscheinend einigen Toleranzen unterworfen.

Erstmals aufmerksam auf diesen recht ärgerlichen Umstand wurde ich durch das Geschimpfe eines Bekannten.
Dieser hatte bei der ersten Beobachtung mit seinem brandneuen 2" UHC Filter, eines norddeutschen Herstellers, nämlich das Problem, dass der Filter nach wenigen Sekunden und ohne Vorankündigung aus seinem 2" Okular purzelte und zum Glück kurz darauf vom Koma Korrektor seines Newtons aufgefangen wurde. Wäre dieser nicht vorhanden gewesen, wären mit Sicherheit Sekundärspiegel und Hauptspiegel beschädigt worden!

Zu Erwähnen ist hier auch noch, dass sich es sich bei dem zwei Zoll Okular ebenfalls um das Okular eines etablierten japanischen Markenherstellers handelte. Bei beiden Komponenten handelte es sich also keineswegs um günstige chinesische Fertigungen, denen ja im allgemeinen größere Toleranzen nachgesagt werden. Wir reden hier  über Teile, die teilweise über 200 oder 300 Euro kosten!

Natürlich dachte auch ich, dass ich nie derartige Probleme bekommen würde und verschont bleibe, aber es sollte anders kommen.
Nur knapp eine Woche später, nämlich als mein neuer Koma-Korrektor geliefert wurde, übrigens auch das Produkt einer deutschen Firma, welche eigentlich für Präzision bekannt ist.
Da ich mich in nächster Zeit sowieso ausgiebig der gefilterten Astrofotografie widmen wollte war das an der Vorderseite des Koma-Korrektors angesetzte 2" Filtergewinde natürlich auch ein Grund, warum ich mich ausgerechnet für dieses Modell entschieden habe.
Natürlich installierte ich den Korrektor gleich nach der Lieferung, um  die mechanische Stabilität zu testen.
Auch wollte ich gleich mal meine Filter einschrauben. Und genau da lag der Hund begraben.
Gegenwärtig besitze ich zwei 2“ Zoll Filter, zum einen ist dies ein fotografischer Interferenz Filter eines sehr populären amerikanischen Herstellers, der andere Filter ist ein H-alpha Filter einer süddeutschen Firma.

Keiner der beiden Filter lässt sich in den Koma-Korrektor einschrauben! Das Filtergewinde des Korrektors scheint einfach zu groß - die Filter lassen sich einfach auf den umgedrehten Korrektor legen und fallen quasi am Gewinde vorbei in den Korrektor hinein.
Ein Kollege stellte mir dann zu Testzwecken noch einen Filter zur Verfügung, der sich als einziger in den Korrektor einschrauben lies. Dies war besagter UHC Filter eines norddeutschen Produzenten, der eingangs schon aus dem japanischen zwei Zoll Okular gefallen war.
Mein H-alpha Filter allerdings verfügt über ein Frontgewinde, womit es möglich ist auch zwei Zoll Filter auf diesen Filter aufzuschrauben.
In dieses Frontgewinde allerdings lies sich bislang jeder zwei Zoll Filter ordentlich einschrauben, der mir in die Finger kam. Natürlich suchte ich nach einer Möglichkeit trotz des minimal zu weiten Filtergewindes jeden beliebigen Filter einzuschrauben. Natürlich bemühte sich auch mein Händler, den ich mittlerweile kontaktiert hatte nach einer Lösung, der dann aber im Endeffekt annahm, es könne sich bei meinen Filtern um ungenaue Gewinde handeln.
So ganz kann ich dies aber nicht glauben, da ja zum Beispiel alle möglichen anderen Filter wie schon erwähnt recht satt in das Frontgewinde meines H-alpha Filters passen. Vielmehr würde ich sagen, dass zwei Zoll Gewinde generell sehr Toleranz behaftet gefertigt werden. Treffen dann Innengewinde und Außengewinde mit Maximalen Toleranzen zusammen, kann es eben mal eng werden, so das ein Filter nur um eine halbe Umdrehung eingedreht werden kann, oder aber die Gewinde "flutschen" nur aneinander vorbei, so wie es bei meinem Koma-Korrektor und meinen Filtern der Fall ist. Wird ein Filtergewinde allerdings nahezu Toleranzfrei gefertigt, dann passen auch alle Filter tadellos.
So habe ich mir kürzlich eine bestimmtes Teil drehen lassen um eines meiner Aufnahmeinstrumente umzubauen.
Dem Dreher gab ich dann den Auftrag, dass an der Innenseite eines bestimmten Ringes ein zwei Zoll Gewinde eingebracht werden soll, was er dann auch gemacht hat.
Dieses Gewinde nimmt dann auch alle mir bekannten zwei Zoll Filter auf, ohne verkannten oder spiel, es passt alles perfekt.
Die dann aber immer noch herrschenden Filterprobleme konnten allerdings folgendermaßen behoben werden:
Der Kumpel, dem der UHC Filter aus dem Okular entflohen war hatte beim Kauf eines Okulares einen Adapter Ring mitbekommen, welcher eigentlich von zwei Zoll auf zwei Zoll adaptiert. Nur ist das Außengewinde dieses Adapters etwas weiter, als ein normales zwei Zoll Gewinde, womit sich dieser Adapter-Ring mit etwas Kraft in die zu großen Gewinde eindrehen lässt. Das untere Innengewinde ist anscheinend auch besonders Toleranzarm gefertigt worden, damit passt dann nämlich auch der UHC Filter fest und sicher ins Okular.
Bei meinem Koma-Korrektor habe ich etwas ganz ähnliches gemacht. Ich habe mir vom Hersteller meines
H-alpha Filters einfach eine leere zwei Zoll Filterfassung mit Frontgewinde kommen lassen und zwar in einer "Slim" Ausführung, welche auch schon mein Filter besitzt. Diese ist besonders kurzbauend.
Diese Fassung wurde dann von mir mit normalen Universalkleber einfach in das Filtergewinde des Koma-Korrektors eingeklebt, womit nun auch jeder Filter wunderbar am Koma-Korrektor hält.
Ich kann nur hoffen, dass die Hersteller in Zukunft versuchen gerade bei der Herstellung von Gewinden etwas genauer zu arbeiten, weil es wahrscheinlich nicht nur mir missfällt, wenn ich zwei Zubehörteile in den Händen halte, die der Gewinde Norm nach eigentlich zusammenpassen sollten, dies aber nicht tun.
Mein Händler jedenfalls äußerte mir gegenüber, er wolle den Produzenten des Korrektors mal auf das Gewindeproblem hin ansprechen. Ob es wirklich etwas bringt bleibt abzuwarten.
 

Projekt Filtergewinde-Kompatibilitätstabelle: Jeder kann seine Erfahrungen anfügen.

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