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Schonende Reinigung optischer Oberflächen
- von André Walczak -

Bei der Verwendung von optischen Geräten im freien, so wie es bei unserem Hobby ja nun mal die Regel ist, kann es mit der Zeit natürlich passieren, dass sich Schmutz auch auf den optischen Oberflächen ansammelt.
Dieser Schmutz besteht dann zumeist aus Pollen und Staub, sowie eventuell Fettflecken, hervorgerufen durch versehentliches Berühren.
Gerade beim herumhantieren in völliger Dunkelheit kann es schon einmal vorkommen, dass der eine oder andere Fingerabdruck unerwünschter weise auf einer Okularlinse oder einer Korrektoroptik landet.
Da sich immer etwas Schweiß und Fett auf unserer Haut findet, der auf Dauer die Vergütungen von optischen Flächen angreift sollten solche Fettflecken immer schnellstmöglich beseitigt werden.
Etwas Staub und Pollenschmutz allerdings, der sich auf einer Objektivlinse oder einem Hauptspiegel absetzt schadet diesem nicht. Auch die Bildqualität wird nicht merklich beeinflusst, solange sich keine geschlossene Staubdecke auf dem Objektiv befindet.
Hier sei auch noch vor allzu übertriebenem Putzwahn gewarnt, da sich eine größere Anzahl von Mikrokratzern auf die Kontrastleistung der Optik auswirken kann. Demzufolge sollte eine komplette Reinigung nur sehr selten vorgenommen werden. Auch möchte ich davor warnen, mit einer hellen Lichtquelle zusammen in das optische System zu schauen! Macht man nämlich so was, sieht man durch das helle Licht so ziemlich jedes kleinste Staubfitzel und so manche Objektivlinse oder Spiegel wirkt so ziemlich verdreckt, obwohl diese bei normalem Licht sauber aussehen. Solange also eine optische Oberfläche auch noch bei normalem Licht recht sauber aussieht, ist eine Reinigung auch noch längst nicht erforderlich.

Aber was, wenn es nun wirklich so weit ist, und eine Reinigung der Optik erforderlich wird?
Natürlich sollten wir möglichst schonend an die ganze Sache herangehen. Auch sollten wir versuchen möglichst Berührungsfrei zu arbeiten, die Optik also nicht mit den Händen oder einem Tuch oder ähnlichem zu berühren.
Wie meine Erfahrungen gezeigt haben reicht das Reinigen nach diesen Grundsätzen auch vollkommen für den „Allnachtsschmutz“ aus.
Auf die Idee des ganzen bin ich eigentlich gekommen, als ich mal einen alten Refraktor gekauft habe, dessen Objektivlinse sehr „intransparent“ aussah, weil diese total zugestaubt war und sich eine dicke Staubschicht auf der Optik breit machte. Mit einem Mikrofasertuch wollte ich nicht an die Linse gehen, da ich damit diese Unmengen von Staub ja lediglich auf der Linse herumgerieben hätte, was mir die Vergütung unter Umständen übel genommen hätte. Also bin ich anders vorgegangen.
Ich habe doppelt destilliertes sowie sterilisiertes Wasser genommen und es in eine Sprühflasche gefüllt. Dieses Wasser hat den Vorteil, dass man es auch ruhig auf der Optik trocknen lassen kann, ohne das es irgend welche Rückstände hinterlässt.
Die Optik habe ich waagerecht auf einen Tisch gelegt. Dann hab ich aus nächster Nähe ziemlich viele Sprühstöße auf die Linse „gefeuert“, womit sich sehr bald dicke Tropfen bildeten, die der Schwerkraft folge leisteten und nach unten abflossen. Damit sich unten an der Linsenfassung kein Gewässer bildet, der unter Umständen noch in die Fassung kriechen könnte sollte man die Optik noch ganz leicht kippen, also das hintere Ende noch etwas höher legen als die Objektivseite. Vorne, direkt vor die Linse habe ich dann mehrere Lagen Küchenkrepp gelegt, welches das abfließende Wasser sofort aufsaugt. Ist der Schmutz etwas hartnäckiger, sollte man die Feuchtigkeit auch erst ein paar Minuten auf die Verschmutzungen einwirken lassen und danach nochmals ordentlich „spülen“.
Manchmal kann es auch nötig sein, etwas konzentrierter zu reinigen, was insbesondere auch bei Fingerabdrücken, also Fettflecken oder auch diesem Schmierigen Dreck nötig ist, den manche Pollen zurück lassen.
Zu diesem Zweck habe ich mir eine Insulinspritze mit einer kurzen und dünnen Kanüle besorgt.
Füllt man die Spritze nun mit dem Wasser und setzt die Kanüle fest auf, kann man bei kräftigem Druck auf die Spritze einen sehr feinen aber kräftigen Wasserstrahl erzeugen, mit dem sich viele Verschmutzungen einfacher lösen lassen. Also einfach die Spritze wenige Millimeter über die Verschmutzung halten und dann „draufhalten“.
Gerade bei Rückständen wie Fingerabdrücken sollte man dagegen nach dem Wasser reines Isopropanol in die Spritze füllen und damit die Optik spülen, was bei mir immer gut funktioniert hat. Nach dem Isopropanol dann am besten noch mal mit Wasser etwas nachspülen und das ganze dann trocknen lassen. Mit dieser Technik habe ich bereits erfolgreich diverse Linsenobjektive, Korrektoren, Schmidtplatten und sogar schon Okulare gereinigt.
Mancher Hobbykollege schwört aber auch noch auf eine ganz kleine Menge Spüli im Wasser, für die erste Spülung, da dieses natürlich die Oberflächenspannung des Wassers verringert und das Wasser somit den Schmutz besser lösen kann. Je nachdem wie die jeweilige Optik verbaut oder gefasst ist kann dies aber auch einen großen Nachteil haben. Dieses Wasser mit der durchs Spüli verringerten Oberflächenspannung kann natürlich auch leichter durch irgendwelche Ritzen, z.B. an Linsenrändern, kriechen, wodurch dann eventuell Flüssigkeit in die Optik oder zwischen zwei Linsen gelangen kann. Also dabei bitte besondere Vorsicht walten lassen.  
Leider kommt es dennoch ab und an vor, dass reines spülen nicht ganz ausreicht. In diesem Fall sollte man mit nur minimalem Druck mit einem Mikrofasertuch über die Verschmutzung wischen, wobei man dies aber niemals trocken machen sollte. Weiterhin muss loser Staub, entfernt worden sein, wenn man mit einem Tuch oder sonstigem Hand an die Optik legen will, da man sich mit bestimmten Partikeln, die im Staub enthalten sein können, die Optik ordentlich verkratzen kann, man denke nur an ein Sandkorn oder einen kleinen Metallspan.
Dieser Staub lässt sich eben mit Wasser am besten wegspülen. Für Spiegel gilt im Prinzip das gleiche, nur das diese am besten für die Reinigung ausgebaut werden. So kann man diese auch ordentlich mit Wasser übergießen und danach in Schräglage trocknen.
Bleiben dennoch kleinere Tropfen Wasser oder Isopropanol auf einer optischen Oberfläche zurück, so kann man diese auch wunderbar beseitigen, indem diese mit der Ecke eines Taschentuches berührt werden, ohne aber dabei mit der optischen Oberfläche in Berührung zu kommen.
Für die kleinere Schmutzentfernung für zwischendurch oder direkt „im Gefecht“  hat sich mittlerweile bei mir auch ein „Lenspen mini Pro“ der Firma Hama (Baugleich auch von der Firma Celestron erhältlich) bei mir bewährt.
Dieses Gerät schaut wie ein Kugelschreiber aus und verbirgt an einem Ende einen kleinen Pinsel, mit dem Staub von Linsenoberflächen entfernt werden kann. Zieht man die Kappe vom anderen Ende ab, so kommt dort ein kleines saugknopfartiges Reinigungspad zum Vorschein, mit welchem man unter leichtem Druck die optischen Oberflächen abreiben kann, nachdem diese von Staub und sonstigem losen Schmutz befreit wurden.
Dabei ist dieser Lenspen auch sehr wirksam gegen Fingerabdrücke. Bei der Verwendung dieses Gerätes ist aber auch noch ausdrücklich zu beachten, dass nur Linsenoberflächen damit behandelt werden dürfen. Der Hersteller rät ausdrücklich vom Gebrauch bei Spiegeloberflächen ab. Auch sollte beim Kauf darauf geachtet werden, dass man die „mini Variante“ nimmt, da bei dieser das Reinigungspad einiges kleiner ist, als bei der normalen Variante. Dadurch kann man auch kleine Okularlinsen und sogar Sucherokulare bei Kameras erst reinigen.
Trotz dieses Pens, welcher gerade wenn wir unterwegs sind sicherlich sein Berechtigung hat sollten wir doch so oft eine Reinigung nötig ist versuchen stets Berührungsfrei zu arbeiten.
Zum Schluss aber noch einmal der Hinweis, dass wir es mit Reinigen bitte nicht übertreiben sollten! Viele Optiken wurden schon kaputtgereinigt, nur weil alle zwei Wochen zwei Staubpartikel und ein Haar darauf zu finden waren. Also nicht bei jedem kleinsten Staubfitzel reinigen und es am besten aber auch ganricht erst soweit kommen lassen, also immer alle Schutzkappen schön dahin wo sie hingehören. Fehlen diese eventuell einmal, so lässt sich auch immer schnell Ersatz selbstherstellen, so passen die meisten Filmdosen z.B. wunderbar in 1¼ Zoll Steckhülsen hinein.  Unsere Optiken werden es uns danken!
 

Hinweis: Wer seine Optiken reinigt, der tut dies auf eigene Gefahr. Die Hinweise im Rahmen dieser Seite können nur Anregungen und Vorschläge dazu sein.

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