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Das Seben 1,25” Farbfilterset

Ein interessantes Hilfsmittel bei der Planetenbeobachtung sind klassische Farbfilter. Sie können sowohl zur Hervorhebung spezieller Details des jeweiligen Beobachtungsobjektes, als auch zur generellen Bildverbesserung je nach Teleskoptyp eingesetzt werden.
Das recht günstige Seben-Set besteht aus vier Filtern, nämlich einem ND 0,9 Graufilter (13%) und den Farbfiltern Hellgrün (53%), Orange (46%)  und Dunkelblau (17%). Im Sommer 2005 stand mir ein solches Set zum Test zur Verfügung.

Nähere Informationen über die Filterwirkung gibt es leider nicht. Auch über die Zusammenstellung lässt sich streiten. Anstelle des Hellgrün wäre dem Besitzer eines achromatischen Refraktors mit einem Hellgelb viel besser gedient, um den Farbfehler zu dämpfen.
Die Filter werden in schwarz eloxierten 1,25” Fassungen geliefert. Probleme beim Einschrauben ins Okular gab es nicht. Die Filter haben ausserdem ein Innengewinde, so daß mehrere Filter kombiniert werden können. Das ist vor allem beim Graufilter sinnvoll. Von einer Mehrschicht-Vergütung, wie auf der Seben-Webseite behauptet, konnte ich nichts erkennen. Die Filter zeigten farblose Reflexe  und zwar deutlich stärker als ein mit einfacher Blauschicht vergüteter B&W-Filter.
Ein großes Manko ist die Randbeschriftung der Filter. Alle Filter sind lediglich mit den Worten “Color Filter
CHINA” beschriftet. Wer im dunkeln bei Rotlicht einen Filter auswählen will, wird das schlicht und ergreifend nicht können, es sei denn er kratzt sich auf eigene Faust Zinken in die Alu-Fassungen, denn bei Rotlicht lassen sich die Filterfarben natürlich nicht erkennen. Hier tritt die mangelhafte Praxisnähe chinesischer Hersteller offen zu Tage.

Schnell fanden sich weitere, zum Teil erhebliche Fertigungsmängel. Zunächst fielen bei der Betrachtung der Reflexe des Graufilters dünne, punktförmige Flecken auf. Diese ließen sich weder mit einem Lenspen noch mit einem Isopropanol-Bad entfernen. Möglicherweise handelt es sich um Wasserflecken aus hartem Kalk, nachdem der Filter mit “Leitungswasser” gereinigt und nur trockengewischt wurde. Ein viel schlimmeres Problem trat bei der Betrachtung von Orange und Blaufilter auf. Reflexe wurden zum Rand des Filters hin verzerrt, bei beiden stark genug um dies beim Durchschauen mit blossem Auge als Unschärfe und Verzerrung erkennen zu können. Beim Orange sogar unübersehbar stark schon 3mm vom Filterrand entfernt. Um eine Verspannung des Filterglases auszuschließen, löste ich die Verschraubung des Glases - ohne Erfolg! Die beiden Filter leiden offensichtlich unter einer kräftig abgesunkenen Kante.


Geradezu saumäßig schlechte Kante beim Seben Orange in 30cm Abstand vor dem Strichmuster

Im Bild sieht man das Ausmaß der Katastrophe. Von einem solchen Filter muß selbst für die Mitte des Glases bezweifelt werden, daß es der optischen Anforderung 1/5 Lambda, also weniger als 100nm Oberflächenfehler, entspricht. Leider ist der Orange-Filter nur das Exemplar mit der heftigsten Ausprägung. Alle Filter des Seben-Sets zeigen nämlich diesen Fehler, während ein Baader Skyglow zum Vergleich bis zur Kante sauber abbildet.


Alle Seben-Filter zeigten Kantenfehler, der Baader Skyglow hingegen ist ordentlich gefertigt.


Leider blieb dies nicht der einzige Fehler. Der Seben Hellgrün zeigte alle Reflexe doppelt, einen davon grünlich eingefärbt, was ein deutliches Indiz für einen Keilfehler des Glasmaterials ist. Der eingefärbte Reflex stammt von der Filterrückseite, was das Licht nach zweimaligem Passieren des Filters entsprechend färbt.
Damit sind der 8x Grau und der Dunkelblau die am ehesten brauchbaren Filter des Sets. Bei der Beobachtung von Mars waren die beiden Filter auch gut brauchbar, allerdings ist Mars als kleines Objekt (31.8./1.9.2005) nur in der Bildmitte zu finden, wo sich die schlechte Kante des Filters nicht oder doch wenigstens am geringsten auswirkt. Bei der Mondbeobachtung z.B. mit einem 25mm Okular dürfte sich Randunschärfe bemerkbar machen.
Bei der Marsbeobachtung zeigte sich besonders der Graufilter als nützlich, da er das recht helle Bild eines 12” bzw. 8” Newtons ausreichend dämpfte, so daß Details nicht durch Blendung überstrahlt wurden. Der Dunkelblau-Filter konnte leider nicht das Blue-Clearing der Marsatmosphäre zeigen, allerdings war Mars zum Zeitpunkt der Beobachtung noch sehr klein.

Fazit: Der typische Strassenpreis von 40 Euro für dieses Filterset, liegt mit 10 Euro pro Filter zwar deutlich unter den üblichen 15 bis 25 Euro pro Filter, wenn aber die Quote von zwei von vier sehr schlechten Filtern den Durchschnitt repräsentiert, so scheint der Kauf ein Risiko. Für den deutlich höheren Einzelpreis eines anderen Produktes kann man sich nämlich aussuchen, welchen Filter man in guter Qualität erhalten möchte, während es beim hier vorliegenden Set offenbar ein Glücksspiel ist, den am dringendsten benötigten Filter auch in guter Qualität zu erwischen.

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