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Der Filmdosentrick
Ein einfacher Sucher zur Sonnenbeobachtung

Viele Sonnensucher funktionieren nach dem Lochkameraprinzip. Ein solcher Sucher kann sehr einfach aus einer alten Filmdose und einer 6x30 Sucherhalterung entstehen.

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Mehr braucht es nicht...

Der Aufbau ist geradezu primitiv. Sehr gut geeignet sind Filmdosen von Kodak, vielleicht auch noch ein paar andere mit ähnlichem Aufbau. Diese haben einen schwarzen oder grauen Deckel und einen Korpus aus transparentem Kunststoff. In der Mitte des Deckels ist eine kleine Vertiefung von der Spritzform. Genau mittig wird hier ein kleines Loch eingestochen. Ich habe das mit einem normalen Pinnwand-Picker erledigt. Das Bastlerherz wird hier tausend und eine Methode entwickeln. Wer den Rest der Familie vom Astro-Wahnsinn überzeugen möchte, leiht sich möglichst auffällig mal eben den Eierpicker... Scheint die Sonne durch das Loch, erzeugt sie auf dem transparenten Boden der Dose einen kleinen Punkt. Fertig ist die Mini-Lochkamera. Dadurch, dass der Deckel etwas überkragt, ist der Boden der Dose bei Ausrichtung auf die Sonne auch vollständig im Schatten des Deckels.

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Auf simple Weise erhält der Deckel ein kleines Loch in die Mitte.

Je größer das Loch, desto heller aber auch unschärfer der Punkt. Nun ja, Schärfe ist kein wesentliches Kriterium. Aber da eine Filmdose kurz ist, macht ein feiner Punkt schon Sinn. Aufbohren ist leichter als Zubohren! Bei 50mm Projektionsabstand ergibt 1° Verkippung etwa 0,9mm Weg für den Lichtpunkt und das Sonnenbild selbst hat schon 0,4mm Durchmesser. Man sollte also das Loch erstmal nur einen Zehntel Millimeter groß machen.

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Der Boden der Dose hat einen feinen Spritzguss-Ansatzpunkt, im Bild kaum erkennbar.

Zum Anpeilen der Sonne hat der Boden der Kodak-Filmdose wieder eine Mittenmarkierung ab Werk. Da ist ein Recycling-Dreieck auf dem Boden, darin ein kleiner Kreis und in dessen Mitte ein feiner Spritzguss-Ansatz. Setzt man nun die Filmdose in eine 6x30 Sucherhalterung ein, so kann man (hoffentlich bei den meisten Halterungen) sogar die Justageschrauben der Halterung verwenden. Der Sucher wird einmal an der Sonne, natürlich während das Teleskop mit einen sicheren Sonnenfilter betrieben wird, so ausgerichtet, dass der feine Punkt auf dem Dosenboden genau diesen kleinen Punkt trifft, wenn die Sonne im Bild ist.

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Die Taschenlampe macht das Prinzip klar...

Die von mir verwendete Sucherhalterung mit nur einem Justageschrauben-Tripel funktioniert in der Praxis sehr gut. Der 6x30 Sucher war ohnehin schon lange durch einen Leuchtpunktsucher ersetzt. Beim herausziehen des Suchers gab dann auch der O-Ring vorne seinen Geist auf. Zumindest mit der Filmdose funktioniert die Halterung auch ohne.

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Hier ist der Filmdosensucher am 5” ED im Einsatz gewesen - der Herschelkeil ist schon abgebaut.

An meinem alten 80/1200 FH findet sich noch eine 6x30 Sucherhalterung mit zwei Schrauben-Tripeln. Diese hat so enge Ringe, dass die Dose gerade eben hinein rutscht - einstellbar ist dann nichts mehr. Glücklicherweise ist die Halterung so schön gerade, dass die Dose damit quasi automatisch richtig eingestellt sitzt. Keine Ahnung, wieviel Glück dabeigewesen ist.

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Zur Sicherheit für die Nicht-Bastler im Haushalt mal kurz auf der Dose notiert, dass sie noch zu etwas nütze ist...

Die Sache ist also so furchtbar einfach, dass man nicht viel zu verlieren hat. Das schlimmste was passieren kann, ist dass man bei einer 6x30 Halterung den O-Ring kaputt macht, um danach festzustellen, dass die Filmdose zu kurz dafür ist.

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