Far Out - meine Astronomie-Homepage


Was sieht man im Teleskop?

Wenn das Interesse am Sterneschauen erwacht, dann ist der Anlass dafür oft ein Fernsehbeitrag, ein Zeitschriften-Artikel oder ein Buch. Phantastische Bilder verlocken dazu, das Universum mit eigenen Augen zu erforschen. Aber kann ein Amateurteleskop mit den prächtigen Bildern des Weltraumteleskopes mithalten? Um es sofort und unmissverständlich zu sagen: Nein!
Immerhin, das Teleskop bietet nicht nur ein Livebild, sondern auch eines, das man mit den eigenen Augen aufnimmt. Das Bild was man im Teleskop wahrnimmt ist eben auf seine Art realer als heutige, digital aufbereitete Fotos.
„Na gut, mein erstes Teleskop ist natürlich viel kleiner, als das 7 Meter Teleskop der ESO in Chile. Kann ich wenigstens alles etwas kleiner sehen?“
Nun, ein paar Objekte schon. Ganz konkret kann man mit einem Amateurteleskop die Planeten des Sonnensystems und den Mond so ähnlich und nur etwas kleiner sehen. Trotzdem sind die Unterschiede zu einem Foto schon deutlich. Im größeren Amateurteleskop kann ein Planet leicht blenden. In jedem Fall ist der Planet zwar farbig zu sehen, aber eher in Pastelltönen mit schwachen Farbnuancen. Nur der Mond ist genauso knackig schwarzweiß, wie man ihn von Profi-Fotos kennt.


So sieht ein Ausschnitt des Mondterminators im Okular aus. Als Terminator bezeichnet man die Schattengrenze.*

Mars ist noch der farbkräftigste. Seine rötliche Farbe an sich ist zwar schon faszinierend, aber ein roter Ball wird schnell langweilig. Man möchte mehr sehen. Die berühmten Marskanäle? Von denen weiß man ja, dass sie eine optische Täuschung waren. Aber wer seine Beobachtungsgabe trainiert und nicht gleich aufgibt, der bemerkt, wie sich aus dem roten Glanz Konturen herausschälen. Besonders wenn das Bild einen Moment oder zwei ganz stillsteht und nicht vom stetigen Wirbel der Erdatmosphäre verquirlt wird. Der Blick ins Teleskop ist eben nicht ein einfaches hinschauen und erkennen, wie wir es vom Fernsehprogramm gewohnt sind. Sehen, wirkliches Sehen am Teleskop muss man erlernen. Wer dazu nicht bereit ist, für den ist das beste Teleskop die Internetseite mit den Pressefotos von ESO, ESA oder NASA.


Mars im Teleskop - rötlich bis rosa, die Details sind sehr blass und nicht leicht zu erkennen.

Wer sich dennoch traut, das Universum auf eigene Faust oder auch gemeinsam mit anderen Sternfreunden zu erkunden, dem erschließen sich aber auch wunderbare Anblicke. Ein Artikel mit kleinen Bildern auf dem Computermonitor kann die Faszination des realen Bildes nicht vermitteln, trotzdem sollen die folgenden Bilder ein paar Eindrücke vermitteln.


Der Ringplanet Saturn mit seinen Monden, mal im mittleren...

...und mal im kleinen Teleskop.


Besonders der Riesenplanet Jupiter fordert ein geübtes Auge,
um seine Detailvielfalt sichtbar zu machen.

Was aber ist nun mit den funkelnden Sternhaufen, purpurnen Nebeln, grünen Filamenten und den wirbelnden Galaxien? Diese Objekte außerhalb des Sonnensystems nennt der Sternfreund Deepsky-Objekte, also Objekte in den Tiefen des Weltraums. Von der Vorstellung der farbenprächtigen Bilder großer Teleskope muss man sich hier verabschieden. Die kann man nur auf Fotos festhalten. Der Beobachter am Teleskop sieht alles in grau. Lediglich die hellsten Sterne zeigen ab und an blasse Farben und man kann sich trefflich streiten, ob der blassgrüne Schimmer besonders heller Gasnebel nun wirklich wahrgenommen oder vom Gehirn “erfunden” worden ist.

Wie sieht es nun also mit der Deepsky-Beobachtung aus? Es geht um Objekte, die gut und gerne Hunderte, Tausende, ja sogar Millionen Lichtjahre entfernt sind. Mal ganz davon abgesehen, dass man als Mensch selbst von einem Lichtjahr keine Vorstellung hat, auch wenn man weiß, dass es 9,461 Billionen Kilometer lang ist, so bekommt man wenigstens mit, dass diese Objekte verdammt weit weg sind. Far Out! Entsprechend schwach ist das Licht, wenn es nach seiner langen Reise bei uns ankommt, und entsprechend schwach, also dunkel sind die Objekte. So dunkel, dass unsere Netzhaut die Farben des Lichts nicht mehr erkennt. Das Auge schaltet auf Stäbchensehen um, macht eine Dunkeladaption, wenn keine störenden Lichtquellen in der Nähe sind. Moooment! Störende Lichtquellen? Ja, störende Lichtquellen. Straßenlampen halt. Autos, die Stadt und auch das Dorf insgesamt und sowieso, aber auch die Taschenlampe, das Feuerzeug. Eben alles außer Rotlicht. Ein kleiner Funke Licht, und das Auge verliert seine Dunkeladaption. 20 Minuten dauert es, bis sie vollständig wiederhergestellt ist. Ohne Dunkeladaption kann man nur die hellsten Deepsky-Objekte erkennen, die schwächeren bleiben unsichtbar.


Drei mal der California-Nebel. Links aus der Stadt, in der Mitte dunkler Landhimmel und rechts aus den Alpen oder mit Filter.

Natürlich gibt es auch Paradeobjekte, die man ganz gut in der Besucherführung der Sternwarte erkennen kann, selbst wenn es da wo die Sternwarte steht nicht ganz dunkel ist, aber erfahrene Sternfreunde, die sich Deepsky-Beobachtung auf ihre Fahnen geschrieben haben, belächeln solche Bedingungen, weil man bei weitem nicht das sieht, was man mit Geduld (und eigenem Auto) unter wirklich dunklem Himmel erleben kann.

Der große Orionnebel ist schon unter mittelmäßigem Himmel bildfüllend, aber noch weit von der Pracht entfernt,
die er unter dunklem Himmel bietet.

Die Wirbelnden Spiralgalaxien lassen sich aus der Stadt heraus praktisch gar nicht beobachten. Ein paar helle Galaxien kann man unter gutem Landhimmel soweit erkennen, dass man nicht nur ihren hellen Kern bemerkt, sondern auch noch etwas von den Außenbereichen. Aber den Anblick eines Feuerrades bieten nur ganz wenige davon und nur für geübte Augen. Sternhaufen und Kugelsternhaufen sind da schon besser zu beobachten:


Der Kugelsternhaufen M13 ist der prächtigste am Nordhimmel.
Wie gut man die funkelnden Sterne trennen kann hängt nicht nur vom Teleskop, sondern auch vom Wetter und vom störenden Licht ab.


So schaut ein offener Sternhaufen aus, in diesem Fall die Preasepe M 44.

Tja, so sieht es aus, das Universum im Teleskop. Für viele Sternfreunde ist es ungeheuer faszinierend, aber nur, wenn man unerfüllbare Erwartungen hinter sich gelassen hat. Dann erst ist so ein Anblick durch das eigene Teleskop ein Highlight (und zwar bei weitem kein unmögliches), wenn Teleskop und Bedingungen optimal sind:


Jupiter - im Teleskop in dieser Form ein echtes Highlight!

*) Mondfoto von Matthias Müller

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