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Welches Teleskop wofür?
Welche Eigenschaften bei der Teleskopwahl wirklich wichtig sind.

Wer Mond und Planeten beobachten will, kauft ein „Planetenteleskop“. Wer tief ins All schauen möchte, sucht ein „Deepsky-Teleskop“. Der Kometensucher kauft einen Kometensucher und der Astrofotograf kauft ein Fototeleskop. Und was kauft man, wenn man von allem ein Bisschen möchte?
Diese Aufzählung lässt schon erahnen, dass sich die Frage nach dem richtigen Teleskop in dieser Form nicht beantworten lässt. Es ist sogar so, dass man mit solchen einschränkenden Fragen vom Leistungspotenzial der jeweiligen Teleskope ablenkt. Ein „Planetenteleskop“ kann neben der Planetenbeobachtung noch ganz andere Dinge zeigen. Trotzdem ist diese Fragestellung üblich, sie wird durch Bücher, Webseiten, Produktinformationen, Werbung und ja, auch im persönlichen Gespräch zwischen Sternfreunden immer wieder aufgegriffen. Das ändert aber nichts daran, dass man sich mit dieser Art der Fragestellung keinen Gefallen tut.

Richtig ist tatsächlich, dass man beim Kauf eines Teleskops, eines Feldstechers oder eigentlich bei jedem Zubehörteil fragen sollte, was für Erwartungen man daran knüpft. Man muss dann prüfen, ob diese Erwartungen erfüllt werden können. Das gilt für den Einsteiger, der sich zunächst mal überhaupt eine „Ausrüstung“ zusammenstellt, sei es ein Teleskop mit Drum und Dran oder auch einfach ein Feldstecher, und das gilt auch für den langjährigen Sternfreund, der noch etwas spezielles zur Erweiterung seiner Möglichkeiten sucht. Der Unterschied ist lediglich, dass man mit ein paar Abenden Beobachtungserfahrung schon viel besser einschätzen kann, was man wirklich will und braucht.

Im Prinzip kann man schon bei der ersten Beobachtung mit einem Teleskop entdecken, dass sich kaum sagen lässt, ein Teleskop wäre nur für Planetenbeobachtung gedacht oder als Planetenteleskop käme stets nur eine bestimmte Bauart in Frage. Man sollte sich deshalb keinesfalls darauf zurückziehen, nur eine bestimmte Teleskopbauart in Betracht zu ziehen, nur weil man irgendwo erfahren hat, dass ein solches Gerät speziell für die Beobachtungen geeignet ist, die man selbst gerade unbedingt machen möchte. So ist das von erfahren Sternfreunden auch in den seltensten Fällen gemeint, denn wer nur ein wenig Beobachtungspraxis hat, weiß eben, dass ein Teleskop auch Objekte zeigen kann, für die es nicht speziell gemacht ist.
Das richtige Rezept bei der Teleskopwahl ist also, die Eigenschaften zu kennen, die ein Teleskop haben sollte, um ein bestimmtes Objekt gut zu zeigen. Man stellt sich dann je nach seinen Beobachtungswünschen eine Übersicht der benötigten Eigenschaften zusammen. Wobei ich gleich darauf aufmerksam machen möchte, dass manche Eigenschaften miteinander unvereinbar sind. Da gilt es abzuwägen und Mittelwege zu suchen. Und das ist nicht einmal schwer, denn es gibt viele Möglichkeiten, zu einem passablen Teleskop zu kommen.

Welche Eigenschaften machen nun ein Teleskop aus? Wie definiert sich sein Leistungspotenzial?
Es sind tatsächlich erstaunlich wenige Eigenschaften, die hier wirklich relevant sind. Das ist an erster Stelle die optisch wirksame Öffnung des Teleskops. Danach ist noch das Öffnungsverhältnis wichtig. Dieser Wert gibt das Verhältnis zwischen Öffnung und Brennweite an. Das Öffnungsverhältnis „f/10“ bedeutet, dass das Gerät als Brennweite den zehnfachen Öffnungsdurchmesser hat. Bei 100mm Öffnung wären das also 1000mm. Damit ist ein Teleskop von den optischen Eckdaten schon fast vollständig charakterisiert. Es bleiben nur noch zwei Punkte: Das maximal nutzbare Bildfeld des Teleskops und die Qualität der optischen Umsetzung, das heißt im Prinzip, ob die Optik von der Bauart her gut abbilden kann und ob sie auch qualitativ so gut hergestellt wurde, dass diese theoretische Leistung zur Verfügung steht.

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Links ein ED-Apochromat mit großem Öffnungsverhältnis, rechts ein Fraunhofer-Achromat mit kleinem Öffnungsverhältnis. Trotz sichtbar größerer Öffnung wurde der “ED” mit weniger Brennweite, somit schneller und in der Bauform kürzer konzipiert.

Tatsächlich ist allein mit diesen vier Eigenschaften, Öffnung, Öffnungsverhältnis, Bildfeldgröße und Abbildungsleistung des Systems ein Teleskop vollständig charakterisiert. Alle anderen Größen, zum Beispiel die Brennweite die in der Werbung gern als besonders wichtig herausgestellt wird, leiten sich davon ab.

Besonders interessant ist das Öffnungsverhältnis. Ein Wert, der in der Werbung oft nur im Kleingedruckten zu finden ist. Hierüber lässt sich am meisten über die Möglichkeiten der Optik aussagen. So schwierig und immer auch etwas falsch generelle Aussagen sind, hier kann man sie gefahrlos machen und sie sind auch nicht kompliziert.
Von einem großen Öffnungsverhältnis spricht man, wenn das Teleskop wenig Brennweite im Verhältnis zur Öffnung hat. Das heißt: „f/4“ ist groß, während „f/20“ klein ist.
Ein großes Öffnungsverhältnis bedeutet, dass das Teleskop vor allem für Beobachtungen mit wenig bis mittlerer Vergrößerung gute Voraussetzungen bietet. Solche Vergrößerungen setzt man ein, wenn es auf die Bildhelligkeit ankommt,  bei schwachen Objekten. Dies sind vor allem Deepsky-Objekte, also Gasnebel und Galaxien, die außerhalb des Sonnensystems liegen. Innerhalb des Sonnensystems sind Kometen schwache, diffus neblige Objekte, die dadurch auch in diese Kategorie fallen. Kometen erscheinen insbesondere oft auch sehr ausgedehnt, so dass es darauf ankommt, einen großen wahren Himmelsausschnitt zu überblicken. Auch das bietet ein großes Öffnungsverhältnis als wichtige Eigenschaft: Bei gleicher Teleskopöffnung und gleich großem Bildfeld, passt mit großem Öffnungsverhältnis auch ein größerer Himmelsausschnitt in das Bildfeld. Viele ausgedehnte Objekte wirken ästhetisch besonders schön, wenn man sie mit etwas „Himmel drumherum“ zu sehen bekommt. Insbesondere bei Sternhaufen sieht man nur ein Bildfeld voller Sterne, wenn man durch ein zu kleines Bildfeld nur einen Ausschnitt aus der Mitte des Sternhaufens sieht. Erst wenn man die sternärmere Umgebung dazu wahrnimmt, erkennt man den Sternhaufen als besondere Sternansammlung.

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Der größere Bildausschnitt eines Weitwinkel-Okulars lässt einen Sternhaufen erst richtig wirken. Für die schönere Bildästhetik kann man, insbesondere bei einfacheren Okularkonstruktionen oder an Teleskopen mit großem Öffnungsverhältis, eine gewisse Randunschärfe akzeptieren.

Ein großes Öffnungsverhältnis hat jedoch auch Nachteile. Und zwar stellt es an alle beteiligten optischen und mechanischen Komponenten hohe Anforderungen bezüglich der Genauigkeit. Die Optiken müssen sehr genau justiert werden und ihr stumpfer Strahlenkegel stellt besondere Anforderungen an Okulare und alles weitere optische Zubehör. Schon die benötigten, sehr kurzen Okularbrennweiten, um hohe Vergrößerungen zu erzielen, sind problematisch.
Als größtes Öffnungsverhältnis unter normal erhältlichen Teleskopen findet man etwa f/4, sehr selten noch f/3,5. Noch größere Öffnungsverhältnisse sind Spezialanfertigungen, Selbstbauten oder besonderen fotografischen Adaptionen vorbehalten. Es ist schwierig, optische Systeme so zu berechnen und zu bauen, dass sie bei f/4 eine gute Abbildung in der Bildmitte oder gar eine gute Abbildung über das ganze Bildfeld haben. Ebenso schwierig ist es, Okulare zu berechnen, die mit den extremen Anforderungen einer f/4-Optik in allen Punkten zurecht kommen. Als folge davon eignen sich solche schnellen Optiken eher für kleine bis mittlere Vergrößerungen. Hohe Vergrößerungen sind nutzbar aber durch die verschiedenen Einschränkungen ist die Bildqualität in der Praxis meist gegenüber einem Teleskop gleicher Öffnung, ähnlicher Verarbeitung, aber kleinem Öffnungsverhältnis schlechter.
Ein kleines Öffnungsverhältnis eignet sich vor allem für den Bereich mittlerer bis hoher Vergrößerung, also wenn es darauf ankommt, kleine Objekte, die aber hell genug sind, zu vergrößern. Dies ist bei der Planetenbeobachtung der Fall. Der Mond ist zwar kein kleines Objekt, aber die einzelnen Details der Mondoberfläche wie Krater (Ringgebirge), Rillensysteme und Verwerfungen sind wiederum ebenfalls klein. Bei der Deepsky-Beobachtung findet man ebenfalls einige kleine, helle Objekte. Sternhaufen, Kugelsternhaufen, einige planetarische Nebel, Doppelsterne und einige wenige Galaxien mit großer Helligkeit fallen in diese Kategorie.
Viele Optikbauweisen sind nur mit kleinem Öffnungsverhältnis voll nutzbar. So zeigen Fraunhofer-Objektive eine immer bessere Leistung, je kleiner das Öffnungsverhältnis wird. Da Linsenobjektive mit zunehmender Öffnung anspruchsvoller werden, wird das sinnvolle Öffnungsverhältnis mit der Größe der Öffnung immer kleiner. So liefert ein Fraunhofer Objektiv mit 80mm Öffnung und dem Öffnungsverhältnis f/15 eine sehr solide, wenn auch nicht perfekte Abbildung. Bei 150mm Öffnung würde dafür ein noch kleineres Öffnungsverhältnis von f/27 benötigt.
Praktisch jeder Optiktyp kann leichter mit guten Abbildungseigenschaften hergestellt werden, wenn das Öffnungsverhältnis klein ist. Die Optiken werden auch toleranter gegenüber mechanischen Ungenauigkeiten und Dejustage. Der Anspruch an die optische Qualität der Oberflächen von Linsen oder Spiegeln ändert sich allerdings nicht!
Ein weiterer Vorteil des kleinen Öffnungsverhältnis ist, dass fast alle Okulare gut mit den schlanken Strahlenkegeln zurecht kommen und also weniger Abbildungsfehler in das Bild einführen. Viele Okulare zeigen an Teleskopen mit großem Öffnungsverhältnis am Rand unscharfe, aufgeblähte und zu Schweifchen oder „Schwalben“ verzerrte Sterne. Mit kleinerem Öffnungsverhältnis werden diese Abbildungsfehler schnell unsichtbar. Hinzu kommt, dass man mit moderat kleinen Okularbrennweiten hohe Vergrößerungen erzielt. Das ist nicht nur interessant, weil solche Okulare gut erhältlich sind, sondern auch, weil bei Okularen ab 10mm Brennweite der Augenabstand meist unproblematisch ist, so dass man bequem hineinsehen kann, ohne mit den Wimpern anzustoßen und dadurch gegen den Liedschluss-Reflex ankämpfen zu müssen.
Aber natürlich gibt es auch hier wieder Nachteile. Ein Nachteil ist, dass man für Teleskope mit kleinem Öffnungsverhältnis kaum Okulare findet, mit denen die maximal mögliche Bildhelligkeit (bei minimal sinnvoller Vergrößerung) erzielt werden kann. Bereits ein f/10-Teleskop bräuchte hierzu ein 70mm Okular, das nur als Exot erhältlich ist. Hinzu kommt, dass das Bildfeld, also der maximal sichtbare Himmelsausschnitt, deutlich kleiner ist, als bei Teleskopen mit großem Öffnungsverhältnis. Dadurch hat man bei kleiner werdenden Vergrößerungen mehr und mehr einen „Tunnelblick“ im Okular, das heißt das Bild im Okular ist nur ein kleiner Kreis in der Mitte eines großen, schwarzen Randes. Dementsprechend sind große Objekte nicht im Ganzen überblickbar und die Bildästhetik leidet ebenfalls. Für sehr schwache Objekte kann unter Umständen nicht genug Bildhelligkeit erreicht werden, um diese gut erkennen zu können. Fotografisch ergeben sich durch das kleine Öffnungsverhältnis auch lange bis extrem lange Belichtungszeiten. Die Zahl im Öffnungsverhältnis ist übrigens die Blendenzahl des Teleskopes. Fotografiert man also durch ein Teleskop mit f/11 muss man wie mit Blende 11 belichten.

Im Bereich von f/6 bis f/8 kann man jeweils mit vertretbarem Aufwand an Okularen sowohl große Vergrößerungen als auch kleine Vergrößerungen erreichen. Aus dieser praktischen Einschätzung heraus kann man diese Öffnungsverhältnisse als „mittel“ bezeichnen. Die Vorstellung, was ein mittleres Öffnungsverhältnis ist, hat sich allerdings mit den Jahren stark gewandelt. Vor einigen Jahrzehnten waren Teleskope mit sehr kleinem Öffnungsverhältnis wesentlich verbreiteter als heute, so dass man seinerzeit schon bei f/10  von einem mittleren Öffnungsverhältnis sprach. Damals wie heute ist f/6 schon den großen Öffnungsverhältnissen zuzurechnen, aber wie gesagt, aus der praktischen Einschätzung heraus, dass mit f/6 der komplette Vergrößerungsbereich für eine gegebene Teleskopöffnung gut nutzbar ist, kann man f/6 zurecht als mittleres Öffnungsverhältnis bezeichnen.
Dementsprechend kann man bei Teleskopen mit einem Öffnungsverhältnis von f/6 bis f/8 von Geräten mit guter Allround-Eignung sprechen, wobei aber vorausgesetzt werden muss, dass die Optikkonstruktion sich auch für f/6 eignet. Bei den bereits angesprochenen Fraunhofer-Objektiven kann man sagen, dass diese sich bei f/6 eher nicht als Allrounder eignen, weil ihre Optikkonstruktion dann Abbildungsfehler liefert, die zumindest die Tauglichkeit für hohe Vergrößerungsbereiche stark einschränken.
Wie eng dieser Bereich sehr guter Allround-Eigenschaften abgesteckt ist, lässt sich an den verwendeten Okularbrennweiten erkennen. Bei f/6 benötigen viele Beobachter ein 4mm Okular, um die Optik für Hochvergrößerung voll auszureizen. Diese Brennweite fehlt aber in den meisten Okularserien. Demgegenüber ist ein 42mm Weitwinkel-Okular für die sinnvolle Minimalvergrößerung problemlos verfügbar, es muss jedoch den Anforderungen für f/6 gewachsen sein, um nicht durch eine schlechte Randabbildung aufzufallen.
Bei f/8 verschiebt sich die Problematik. Bei hoher Vergrößerung kommen Okulare um 5mm zum Einsatz, ideal 5,2mm oder 5,3mm, von denen es durchaus eine Auswahl gibt. Für die Minimalvergrößerung allerdings benötigt man ein Okular um 55mm Brennweite. Dies ist in 31,8mm Steckdurchmesser nicht mehr normal erhältlich und mit 50,8mm Steckdurchmesser ist nur ein scheinbares Gesichtsfeld um 50° möglich, man erfährt also den bereits erwähnten Tunnelblick.
Bei Öffnungsverhältnissen kleiner als f/8 ist es praktisch sehr schwierig und auch nicht mehr ästhetisch ansprechend, die der Öffnung entsprechende Minimalvergrößerung zu erreichen. Dementsprechend schwierig ist es, bei Teleskopen schneller als f/6 für den Hochvergrößerungsbereich optimale Okulare zu bekommen.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied bedingt durch Öffnung und Öffnungsverhältnis ist die Baugröße und davon Abhängig auch das Gewicht. Viele Optiken erreichen als Baulänge in etwa die Länge ihrer Brennweite und im maximalen Durchmesser natürlich den Öffnungsdurchmesser zuzüglich einiger „Sicherheitsabstände“.
Vermieden wird dies bei Optiken mit gefaltetem Strahlengang. Hier wird durch Umlenkspiegel, die oft auch eine optische Funktion erfüllen, die Baulänge verkürzt. Besonders gut gelingt das bei den verschiedenen Varianten der Cassegrain-Spiegelteleskope. Bei diesen Geräten ist oftmals ein f/10 Cassegrain kürzer gebaut als eine f/4-Optik ohne gefalteten Strahlengang. Weitere Teleskope mit gefaltetem Strahlengang sind unter Anderem diverse Schiefspiegler und auch der Faltrefraktor.
Egal ob mit gefaltetem Strahlengang oder ohne, wenn ein transportables Teleskop gewünscht wird, gibt es Grenzen bezüglich vertretbarer Tubusdimensionen. So ergeben 80mm Öffnung heutzutage ein kleines Amateurgerät, das aber als Fraunhofer-Refraktor mit f/18,75 schwierig zu transportieren ist, da es 1500mm Brennweite beinhaltet und ebenso lang ist. Ein Maksutov-Cassegrain mit 80mm Öffnung und typischen f/14 ist hingegen mit 30cm Baulänge möglich. Große Spiegelteleskope findet man selten mit mehr als 300mm Öffnungs als sogenannten „Volltubus“, das heißt ab dieser Größe zerlegen viele Sternfreunde das Teleskop für den Transport und am Beobachtungsort wird beispielsweise ein Tubus aus Gitterrohren zusammengesetzt. Solche Konstruktionen findet man auch bei kleineren Teleskopen, die für Flugreisen auf „Handgepäckformat“ zusammengeschrumpft werden.

Für Beobachtungen, die einen besonderen Standort verlangen, sei es weil ein Himmelsereignis sich nur weit vom Heimatort entfernt beobachten lässt (Sonnenfinsternis), oder weil Regionen mit wenig Störlicht durch dicht besiedelte Gegenden aufgesucht werden müssen, kommen also bestimmte Optik-Eckdaten kaum noch in Frage.
Ähnliche Anforderungen stellt die Frage nach der Montierbarkeit. Ein Refraktor von 1,5m Länge benötigt eine Montierung, die das ganze Gerät wenigstens so weit anhebt, dass bei zenitnaher Beobachtung der Einblick wenigstens noch 70cm über dem Boden liegt. Aufgrund der Lage des Schwerpunkts durch das Objektiv weit vorne und der schwerpunknahen Befestigung des Teleskops an der Montierung ist eine Stativhöhe von 1,5m möglicherweise noch nicht ausreichend.

Um nun aber von den abstrakten und theoretischen Eigenschaften von Teleskopen einmal zu konkreten Hinweisen zu kommen, welche Teleskope sich wofür eignen, hier einmal im umgekehrten Sinne Hinweise, welche gängigen Optikkonstruktionen sich, in Verbindung mit den am Markt vertretenen Öffnungsverhältnissen, für welche Beobachtungen besonders gut eignen, und in welchen Disziplinen sie besonders schlecht abschneiden:

Achromatischer Refraktor

 

großer Himmelsausschnitt

maximale Bildhelligkeit

maximale Vergrößerung

Deepsky-Fotografie

„Planetenbeobachtung“

f/5

ja

ja

qualitativ schlecht

qualitativ schlecht

qualitativ schlecht

f/8

nur mit 2” Okular

nur mit 2” Okular

nur bei kleiner Öffnung befriedigend

lange Belichtungszeit, Farbfehler

nur bei kleiner Öffnung befriedigend

f/15

nein

nein

bis 80mm Öffnung gut, ab 100mm Öffnung zunehmend schlechter

unattraktive Belichtungszeiten

bis 80mm Öffnung gut, fotografisch RGB-Splittung sinnvoll ab 100mm Öffnung

f/30

nein

nein

gut

kaum realisierbar

gut
(bei großer Öffnung Restfarbfehler)

Der Achromat leidet hauptsächlich am Farblängsfehler, der mit der Öffnung und kürzer werdender Brennweite stark zunimmt. Selbst bei 80mm mit f/15 ist noch ein violetter Farbsaum um helle Objekte erkennbar. Das nicht fokussierte violettblaue Licht bewirkt bei Punktlichtquellen einen zitrongelben Farbstich.

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Trotz des mit f/11  recht kleinen Öffnungsverhältnis zeigt ein solcher Luftspalt-Achromat einen deutlichen Farbfehler.
Er ist erkennbar als Blausaum um helle Objekte. Gegenüber schnellen Achromaten mit z.B. f/5 ist eine solche Optik jedoch “konservativ gebaut” und entsprechend gut nutzbar .

Apochromatischer Refraktor (“Apo”)

 

großer  Himmelsausschnitt

maximale Bildhelligkeit

maximale Vergrößerung

Deepsky-Fotografie

„Planetenbeobachtung“

f/6

ja

ja

ja (Okularfrage)

ja (Restfarbfehler je nach Optik)

ja (Restfarbfehler je nach Optik)

f/8

nur mit 2” Okular

nur mit 2” Okular

gut bis sehr gut

lange Belichtungszeiten

ja

f/10

nein

nein

sehr gut

unattraktive Belichtungszeiten

ja

Beim „Apo“ entscheidet die optische Bauweise über den idealen Verwendungszweck. Schnelle Apochromate zeigen für gewöhnlich Restfarbfehler, ebenso solche mit relativ großer Öffnung (mehr als 150mm).  Für die Deepsky-Fotografie wird meist eine zusätzliche Optik zur Ebnung des Bildfeldes benötigt.
Insbesondere Apochromate mit ED-Glas-Optiken finden sich sowohl als sehr günstige Teleskope mit entsprechenden Schwächen, als auch als voll auskorrigierte Objektive der Spitzenklasse. Für fotografische Anwendungen ist auf eine eingebaute Bildfeldebnung oder auf die Verfügbarkeit eines speziell für das jeweilige Modell abgestimmten Bildfeldebners (“Flattener” / “Reducer”) zu achten. Universalkorrektoren können oftmals keine hohen Ansprüche befriedigen. Vor dem Kauf sollten daher Testbilder mit voller Auflösung im WWW gesucht werden.

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Zweimal ED-Apochromat, links als schnelles Dublett-Objektiv mit Luftspalt als 110mm f/6 mit Restfarbfehler, rechts als Triplett-Optik mit doppeltem Luftspalt als 100mm f/8 und praktisch ohne Restfarbfehler.

Newton Reflektor

 

großer Himmelsausschnitt

maximale Bildhelligkeit

maximale Vergrößerung

Deepsky-Fotografie

„Planetenbeobachtung“

f/4

mehr Himmelsausschnitt als f/5, für maximalen Bildausschnitt in 2” kein Okular am Markt

ja

qualitativ eingeschränkt

ja, Komakorrektor notwendig

qualitativ eingeschränkt, stark von Okular und Beherrschung der Optik abhängig.

f/6

ja

ja

ja, okularabhängig

ja, Komakorrektor sehr wünschenswert

ja, gutes Okular nötig.

f/8

nur mit 2” Okularen

nur mit 2” Okularen

ja

lange Belichtungszeiten

ja

f/10

nein

nein

ja

unattraktive Belichtungszeiten

ja

Mit schnellerem Öffnungsverhältnis und größerer Öffnung wird der optimal scharfe Bildbereich in der Bildmitte schnell kleiner, so dass Geräte jenseits von 300mm Öffnung mechanisch oft nicht stabil genug sind, um für Höchstvergrößerung genau genug justiert werden zu können. Sehr schnelle Newtons profitieren auch visuell von einem Komakorrektor, in der Hauptsache für Beobachtungen bei schwacher und mittlerer Vergrößerung. Schnelle Newtons erleiden durch große Obstruktion ein Nachlassen des Bildkontrastes bei hoher Vergrößerung.

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Ein f/5-Fotonewton, noch vor der Zeit der Digitalfotografie konzipiert und durch den 1,25” Auszug eingeschränkt.

Cassegrain-Reflektoren

 

großer Himmelsausschnitt

maximale Bildhelligkeit

maximale Vergrößerung

Deepsky-Fotografie

„Planetenbeobachtung“

f/5

ja

ja jedoch u.U. schlechte Transmission

schwierig

ja

reduzierte Abbildungsqualität, zusätzlich okularabhängig und qualitätsabhängig

f/10

nein

nein

ja

unattraktive Belichtungszeiten
(besser mit Reducer für kleine Chipgrößen)

(weniger stark) reduzierte Abbildungsqualität

f/20

nein

nein

ja

nicht völlig unmöglich

ja

Fotografisch schnelle Cassegrains mit z.B. f/4 sind nur selten visuell einsetzbar. Es kann zu extrem großer Obstruktion kommen, die Nachteile bei der Planetenbeobachtung bewirkt. Cassegrains um f/10 sind je nach Auslegung immer noch hoch obstruiert was die Leistung bei der Planetenbeobachtung herabsetzt. Langsame Cassegrain-Varianten sind meist für die Planetenbeobachtung eingerichtet und daher mit möglichst geringer, aber niemals vernachlässigbar kleiner Obstruktion gebaut.

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Ein Maksutov-Cassegrain mit der charakteristischem Meniskuslinse und einem aufgedampften Fangspiegel. Bei f/14 für die Brennweite von 2130mm sehr kompakt.

Schiefspiegler

 

großer Himmelsausschnitt

maximale Bildhelligkeit

maximale Vergrößerung

Deepsky-Fotografie

„Planetenbeobachtung“

f/10

nein

nein

ja

eher nein

ja

f/20

nein

nein

ja

nein

ja

Der optisch schwer herzustellende und oft schwer justierbare Schiefspiegler findet sich nur selten überhaupt mit einem mittleren Öffnungsverhältnis. Üblich sind kleine und sehr kleine Öffnungsverhältnisse. Das meist kleine scharf abgebildete Feld schränkt die Beobachtungsmöglichkeiten stark auf beispielsweise Planetenbeobachtung und Doppelsterntrennung ein.

Allgemein ist zu beachten, dass die Größe des Himmelsausschnitts durch Öffnung und Öffnungsverhältnis bestimmt wird, und dass dann noch die Größe des im Teleskop erzeugten Bildfelds relevant ist. So zeigt ein f/5 Teleskop jedenfalls einen für seine Öffnung großen Himmelsausschnitt, der aber durchaus kleiner sein kann, als der Himmelsausschnitt eines Gerätes mit f/6 und weniger Öffnung.
Was für die Deepsky-Fotografie akzeptable Belichtungszeiten sind, entscheidet natürlich der Fotograf. Allgemein aber ist f/10 aufgrund der Belichtungszeiten heute schon recht unattraktiv für fotografische Zwecke an schwachen Objekten. Auch wenn f/10 in manchen Fällen (und erfolgreich) zum Einsatz kommt.
Bei der Bauform “Apo” ist die seit wenigen Jahren enorme Vielfalt an Produkten zu beachten. Es gibt sehr unterschiedliche Auslegungen der Optiken, beispielsweise fotografisch ausgelegt mit großem, geebneten und korrigierten Bildfeld und einer Korrektur des Farbfehlers bis in die nahen Infrarot-Bereiche hinein.

Wer also ein Teleskop aussuchen möchte, sollte unbedingt auf den richtigen Eigenschaften-Mix achten. Generell sind Geräte zwischen f/6 und f/8 sehr attraktiv, weil sie mit entsprechendem Zubehör alles gut brauchbar können. Eine Ausnahme ist hier der achromatische (Fraunhofer-) Refraktor. Diese Optiken leiden in jenem Bereich noch unter ihrem deutlich bemerkbaren Farbfehler, der bei mittleren bis hohen Vergrößerung die Abbildungsleistung mindert. Zwar werden Farbfilter angeboten, um dies zu reduzieren, aber letztendlich kann auf diese Weise keine bereits verlorene Bildinformation zurückgewonnen werden. Dementsprechend werden achromatische Refraktoren zunehmend durch günstige Konstruktionen aus dem Apo-Bereich verdrängt.

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