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Das Ylena 150 Maksutov-Cassegrain


House of Optics Germany stellte mir diese Optik im August 2003 für einige Zeit zur Verfügung. Es handelt sich um ein Maksutov Cassegrain mit 150mm Öffnung. 2130mm Brennweite ergibt ein Öffnungsverhältnis von f/14. Diese optischen Eckdaten machen das Gerät zu einem interessanten Kompaktgerät zur Planetenbeobachtung.

Etwas über 6kg bringt der 51cm lange Tubus bei 18cm Durchmesser auf die Wage. Montiert wird das Gerät mit einem massiven Aluminiumschwalbenschwanz. Dessen Abmessungen entsprechen aber keiner mir bekannten Montierungsadaption. Stattdessen erhielt ich ein passendes Gegenstück, das ich mit zwei Schrauben auf meine Losmandy-Schiene aufsetzen konnte. In diesem Adapter ließ sich der Schwalbenschwanz um ca 8 cm verschieben, was sehr nützlich war, um das Gerät in Deklination auszuwiegen. In die Flanken des Schwalbenschwanzes ist eine Vertiefung für die Klemmschraube gefräst, so daß das Teleskop auch bei lockerem Sitz nicht durchrutschen kann. Eine angenehme Sicherung. Ein solider Kunststoffgriff macht das Aufsetzen auf die Montierung zu einem Kinderspiel. Die Handhabung wird so wesentlich erleichtert.
Ebenfalls über einen Schwalbenschwanz ist der 40mm Sucher Montiert. Allerdings sitzt auch hier wieder der Schwalbenschwanz am Teleskop - anders als man es meist sieht. Anstelle von Gussteilen mit Hammerschlag-Lack findet man sauber gefräste Aluminiumteile, schwarz eloxiert. Der Sucher sitzt deshalb sehr genau und die Sucherjustage ist nicht vom guten Willen einer runzligen Lackschicht abhängig. Der Sucher selbst bietet eine 1,25" Okularaufnahme. Der Fokus war passend für einen Zenitspiegel ausgelegt. Diese Einrichtung ist sehr angenehm, denn so komme ich als Brillenträger auch am Sucher in den Genuß guter Weitwinkelokulare mit brillentauglichem Augenabstand. Es bietet sich ausserdem die Möglichkeit, auch den Sucher mit einem Filter (z.B. OIII oder UHC) zu betreiben. Unter aufgehelltem Himmel erleichtert dies das Auffinden schwacher Emissionsnebel wesentlich. Ein vorbildliches Suchersystem, dessen optische Qualität ebenfalls sehr ordentlich ist.
In der Praxis zeigte sich als kleine Schwäche die Position des Suchers. Da es nur eine Halterung gibt, kann er bei bestimmten Einblickpositionen stören.


Der Tubus wird vorne mit einem recht ordentlichen Kunststoffdeckel verschlossen. Die schwarze Lackierung macht das Gerät in Kombination mit meiner schwarzen Losmandy Montierung zu einem kleinen Schmuckstück. Sonnenbeobachter könnte die schwarze Farbe aber stören. Mit den bereits erwähnten 6kg Gewicht erfordert die Ylena 150 also eine Montierung der "GP-Klasse".
Geliefert wird das Gerät in einer wunderbaren, formstabilen Tragetasche, die von allen Seiten mit dicken, eingenähten Polstern versehen ist. Mit dieser Tasche als Schutz ist kein anstössiges Treppengeländer zu fürchten. In längsrichtung sind zwei dicke, in Nylon eingenähte Polster mit Klettverschlüssen befestigt. Wer das Gerät lieber mitsamt verschraubtem Zenitspiegel transportieren möchte, kann diese entsprechend entfernen. Wiederum vorbildlich.
Die optische Adaption erfolgt über ein 48mm SC-Gewinde. Zum Test konnte ich hier einen 2" Zenitspiegel mit 1/10 Lambda-Qualität verwenden. Das lässt gleich erraten, daß das Gerät über eine Hauptspiegelfokussierung verfügt. Diese funktionierte übrigens auch bei 400-facher Vergrößerung shiftingfrei. Der Fokussierknopf war sehr feinfühlig zu bedienen und dabei doch nicht zu leichtgängig. Insbesondere bei der Arbeit mit der Webcam erwies sich die Fokussierung als sehr gut handhabbar, ohne durch zu starkes Wackeln zu stören.


Das Optikdesign ist eine Rumak abart. Der Fangspiegel ist zwar auf die Rückseite der Meniskuslinse aufgedampft, hat aber einen eigenen Radius. Dadurch ist der Fangspiegel zwar nicht getrennt justierbar, bei einem sauberen Schliff des Front-Elements ist das aber nicht notwendig. Die Optik wird übrigens nach gesonderten Spezifikationen im Hause Lomo hergestellt. Der Hauptspiegel ist aus Sital.
Etwas eigenwillig ist die Vergütung der Meniskuslinse. Hier sieht man recht deutliche, violette Reflexe, die aber bei geradem Einblick schwächer werden. 0,5° Feld werden nach Herstellerangabe ausgeleuchtet. In der Praxis war bei der Beobachtung mit dem LV 30 (ca 31mm Feldblende) keine Abschattung zu bemerken, obwohl hier das Feld schon 0,8° beträgt. 48mm beträgt die Obstruktion, das sind linear 32% - ein für kompakte Cassegrain-Systeme üblicher Wert. (Bitte Nachtrag zur Obstruktion beachten!)

Erstes Beobachtungsziel war Mars. Der tiefstehende Planet wurde zwar von Seeing geplagt, aber im Vergleich waren die Bedingungen gut zu nennen. Eine vielzahl von Details ließ sich bei 213x mit dem 10mm LV erkennen. Die Bildhelligkeit erlaubte problemlos die Verwendung eines B+W 8x Dunkelrot Filters. Am detailreichsten präsentierte sich Mars mit Orangefilter, und etwas blaubetonter mit dem Baader Skyglow. Störendes Seeing verhinderte, daß höher vergrößert werden konnte. Die Planetenabbildung musste sich an diesem Abend auch mit einem Intes 150mm f/12 Mak-Cassegrain und mit einem VC200L messen, sowie mit einem sehr guten C8 und einem Intes 127 f/6 Mak-Newton. Wirkliche Konkurrenz war das Intes 150mm f/12 MC. Für meinen Geschmack hatte das Ylena um einen Hauch die Nase vorn, aber wegen der unterschiedlichen Okulare bedingt durch 330mm Brennweitendifferenz war der direkte Vergleich etwas behindert.
Bei einer Mondphase von etwas über 1/8 und leicht dunstigem 5,5mag-Himmel sollte trotzdem noch DeepSky-Beobachtet werden. Auch hier überraschte das kompakte Gerät sehr angenehm. M31 ließ sich mit dem LV 30 Okular bei 71x sehr ausgedehnt abfahren. Staubstreifen waren nicht erkennbar, aber sehr deutlich hoben sich M32 und M110 ab. Besonders M110 war interessant in grosser Ausdehnung zu beobachten. Auch M33 ließ sich gut ausmachen, ohne jedoch Spiralarme zu enthüllen. Ein weiteres Standardobjekt des Spätsommerhimmels war natürlich M13. Bei 152-facher Vergrößerung, erzielt mit dem 14mm Speers Waler L,  wurde der Kugelsternhaufen bis ins Zentrum hinein aufgelöst. Die Abbildungsqualität war bis auf die Bildhelligkeit mit manchem 8-Zöller vergleichbar.
Im Feld stellte sich übrigens auch die Frage "das Ylena", "die Ylena"...? Da nun "Ylena" im russischen ein weiblicher Vornahme ist, haben wir uns eigentlich darauf geeinigt, das Gerät als "ein feines Mädchen" zu behandeln...


Mars am 26.8.2003 gegen 3:10h MESZ mit ToUCam Pro, Baader UV/IR-Cut und 2x Barlow

Die nächsten Beobachtungen fanden unter 5mag Stadthimmel statt. Auch hier galt die erste Beobachtung einem Standardobjekt. Der Ringnebel M57 zeigte sich kontrastreich und auch die leichten Ausfransungen an den Enden der längeren Achse waren erkennbar. Da zur Beobachtung als längste Brennweite nur das LV 30 zur Verfügung stand, reichte allerdings die Bildhelligkeit nicht aus, um auch die Aufhellung des Ringinneren deutlich werden zu lassen. Dadurch wurden unter den herrschenden Bedingungen auch der Cirrusnebel und der Nordamerikanebel unbeobachtbar, trotz des Einsatzes von UHC- oder OIII-Filter. Prachtvolle Anblicke bot aber der Wildentenhaufen M11. Die Sternabbildung des Gerätes ist einfach ein Genuß und so lieferte das LVW 8 bei 266x den schönsten Anblick des offenen Haufens.
Hauptobjekt dieser Nacht war aber wieder Mars. Bei einem Seeing, das in der Stadt zum besten überhaupt möglichen gerechnet werden muß, gelangen mit der Phillips ToUcam Pro sehr schöne Marsbilder. Schon im Primärfokus ergab sich ein sehr angenehmer Abbildungsmaßstab. Aber auch die Verwendung einer 2x Vixen-Barlow war durchaus noch sinnvoll. In beiden Fällen wurde noch ein Baader UV/IR-Cut-Filter eingesetzt.

Fazit:
Das Ylena 150 ist ein erstklassiges Planetenteleskop. Durch den ausgezeichneten Kontrast ist aber auch die DeepSky-Leistung nicht zu verachten, so daß auch eine gute Allround-Leistung vorhanden ist. Erstklassige Verarbeitung und eine abgerundete Ausstattung, nicht zuletzt sei noch einmal die Tasche erwähnt, runden das angenehme Gesamtbild ab. Da derlei Ausstattungsmerkmale bei wesentlich preisgünstigeren Newton-Konstruktionen üblicherweise fehlen, fällt der Preisunterschied nicht mehr so wesentlich aus. Der Newton braucht wegen des längeren Hebels auch eine kräftigere Montierung, so daß auch in diesem Punkt das Gegenrechnen lohnt.
Das Gerät bietet sich für Beobachter an, die ein kompaktes Planetenteleskop wünschen und dabei aus Preis- und/oder Platzgründen nicht auf einen APO oder einen Mak-Newton zurückgreifen können.


Meßwerte des Gerätes

Nachtrag 7.7.2004: Bereits vor einiger Zeit wurde ich von Reinhold Graf darauf aufmerksam gemacht, daß die Obstruktion des Ylenna offenbar grösser ist, als durch Vermessung des Fangspiegels zu erwarten. Dies zeigte sich beim betrachten der obigen Meßungen. Tatsächlich ist beim Ylenna das Blendrohr so groß, das nicht der Fangspiegel die Obstruktion erzeugt. Reinhold schätzte die Obstruktion auf 41%.

Nachtrag 15.4.2005: Kurt Schreckling ermittelte die Obstruktion mit 36% anhand von Interferogrammen.

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