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Haltbares Kartenmaterial

Haltbarkeit
Teleskope werden selten im klimatisierten Reinraum benutzt: Sternatlanten müssen einiges aushalten...

Das perfekte Kartenmaterial für die Beobachtungsnacht im Feld - gibt es das? Wie so viele Dinge im Leben, bleibt dem Sternfreund wenig anders übrig, als sich seinen eigenen Kompromiss zu suchen. Choose Your poison, wie der Amerikaner sagt. Hier sind die Erfahrungen mit einigen Materialien zusammengetragen:

HDPE / Polyart

Eine beschichtete HDPE-Folie, durch recken reißfest gemacht, wasserabweisend, leichter und dünner als Papier, und nicht gerade billig.

Man findet sie im Interstellarum Deepsky Atlas in der Premium-Version. Die Eigenschaften klingen verlockend, aber nur solange man im Trocknen sitzt. Zwar macht der Tau den bedruckten Folien tatsächlich nichts aus, dafür aber gibt es andere Probleme. Der Tau liebt es nämlich, zwischen die Seiten zu kriechen. Das bewirkt dann, dass die Seiten beim Blättern im Atlas recht unregelmäßig aneinander haften und sich dann kaum noch an der Ringbindung ordnen lassen. Will man keine Knicke, Wellen oder Eselsohren in den teuren Atlas bügeln, steht man beim Abbau da und beginnt, Seite um Seite aufzublättern und halbwegs gerade auf die vorige zurück zu kleben. Und davon ist der Atlas am nächsten Morgen noch nicht trocken. Die Feuchtigkeit hält sich auch ein paar Tage zwischen den Seiten, wenn man den Atlas nicht aufblättert und auf der Heizung oder in der Sonne trocknet. Unter anderen Handelsbezeichnungen gibt es ähnliche Materialien, die man übrigens auch für eigene Drucke erwerben kann. Nicht alle Produkte sind aber mit den Heizwalzen von Laserdruckern kompatibel. Wie sich gezeigt hat, sind die Folien nicht unbedingt widerstandsfähig gegen Abrieb. Da kann die Farbe schonmal die Seite wechseln...

ISAtlas
Interstellarum Deepsky Atlas: Hier hätte der sichtbar solide Schutzumschlag einfach größer sein müssen...

Folienbeschichtetes Papier

Eigentlich eine wasserdichte Sache - sollte man meinen. Das mag für die Folie auch zutreffen, doch der Umgang mit dem Deepsky Reiseatlas belehrt bald eines Besseren. Die Fläche der Seiten mag zwar wasserdicht sein, aber da gibt es ja noch die Kanten. Eine verlockende Angriffsfläche für Tau. Was in der Nacht noch aufgeweichte Kanten sind, hat sich am Morgen durch die gesamte Fläche gezogen und lässt das Papier zwischen den Folienschichten aufquellen. Der Atlas wird griffiger, weicher, und solange er nicht getrocknet ist auch schwerer. Die Seitenränder bekommen eine leicht flauschige Konsistenz, was das Umblättern nicht mehr ganz so einfach macht. Die Seiten sind recht dick und lassen sich daher auch dann besser ordnen, wenn sie durch Feuchtigkeit aneinander haften.

Reiseatlas
Deepsky-Reiseatlas:
Die Ringbindung ist besonders belastet und das Papier quillt in feuchten Nächten von den Schnittkanten her auf.

Laminierte Seiten

Das ist nun wirklich eine wasserdichte Lösung - so lange, wie sie hält. Der laminierte Sky Atlas 2000.0 Second Edition ist nicht nur reichlich schwer, sondern auch reichlich teuer. Die Seiten sind nicht so steif, wie man es von handelsüblichen Laminierfolien kennt. Das wurde erzielt, indem mehrere Schichten dünner Laminierfolie aufeinander geschweißt wurden. Mit andauernder Nutzung des Atlas aber beginnen besonders die Ecken, aus dem Leim zu gehen. Die Folien lösen sich voneinander und das Blättern wird unangenehm. Besonders das Rutschen auf dem Autositz oder im Kofferraum beim Blättern mag der Atlas gar nicht, weil dies die ersten, winzigen Ablösungen der Folie an den Kanten erzeugt.

SkyAtlas
Sky Atlas 2000.0 laminiert:
Nach einigen Jahren sieht man, dass die Seiten gleich zweimal laminiert sind.
Die äußere Laminierung des Deckblattes ist schon “fertig”.

Selbst laminierte Seiten

Laminiergeräte und preisgünstige Foliensätze finden sich nicht selten im Angebot der üblichen Supermarkt-Ketten. Da sollte es doch möglich sein, ein freies Kartenwerk zu drucken, und zu laminieren. Der Nachteil dieser Lösung ist, dass die üblichen Laminierfolien zu recht steifen Kartenblättern führen, denen man mit normalen Lochern einfach nicht mehr beikommt, so dass man die Karten beispielsweise als Loseblattsammlung in einer Mappe aufbewahren muss.

Eigener Druck auf Spezialpapier (imprägniertes Papier)

Das Internet macht's möglich: Man findet nicht nur freie Atlanten, sondern auch wasserfeste Spezialpapiere, die mit Laser und sogar Tinte bedruckbar sind. Natürlich kann der Tintendruck nicht wasserfester sein, als die Tinte, aber zumindest der Laserdruck sollte eine gute Widerstandsfähigkeit haben. Das Papier an sich kann je nach Produkt auch mal einen ganzen Tag lang gebadet werden, ohne Schaden zu nehmen. Die Verträglichkeit der Papiere mit verschiedenen Druckverfahren muss man natürlich entsprechend nachlesen. Manche können sich in besonders heißen Laserdruckern zum Beispiel verfärben. Einige Materialien lassen sich ähnlich wie Papier lochen und somit auch in eine Spiralbindung einfügen. Der Preis allerdings ist der zu erwähnende Punkt. Grob 25 Euro auf 50 Blatt oder auch 100 Euro für 250 Blatt sind schon ordentliche Hausnummern und so wird man nicht einfach aus Kostengründen auf diese Möglichkeit zurückgreifen, sondern vielmehr, um seine individuellen Vorstellungen selbst zu Papier zu bringen.

Tablet

Die moderne Technik bietet auch gewisse Möglichkeiten. Für den Nachtgebrauch am interessantesten sind noch ePaper-Displays, da man diese genau wie Papier mit Rotlicht beleuchten kann. Auf Farbe lässt sich unter Rotlich verzichten, die Geräte sind aber mit Touch- oder Stiftbedienung und erst recht in ansprechender Größe recht teuer. Günstiger sind Geräte mit klassischem LED oder TFT Display. Einige Teleskopsteuerung bedienen sich bereits solcher Displays. Deren gravierender Nachteil ist jedoch die Vernichtung der Dunkeladaption. Amo-LEDs sind nicht tiefrot und andere Displays zeigen bei schrägem Einblick stets die weiße Farbe der Hintergrundbeleuchtung. Hier hilft nur das Abkleben mit tiefroter Folie, so wie man es von Laptop-Displays kennt. Die Folie kann aber die Touch-Bedienung geradezu unmöglich machen.
Bei allen Geräten ist fraglich, wie sie mit den harten Umweltbedingungen zurecht kommen. Displays funktionieren in der Kälte nur träge oder gar nicht mehr brauchbar, Akkulaufzeiten verkürzen sich und auf keinen Fall sollte Tau in das Gerät eindringen. Aber auch die technische Entwicklung des e-Papiers schreitet fort und macht Hoffnung.

Oder pragmatisch

Die letzte Möglichkeit sei auch nicht verschwiegen: Einfach den Sternatlas auf Normalpapier kaufen oder drucken und ihn "auf Verschleiss" nutzen, bis er auseinanderfällt...

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