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Das Meade SWA  18mm Serie 4000

Mythos Meade Serie 4000

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Der Meade Serie 4000 hängt ein Mythos an - zurecht?

Wie man nachlesen kann, war ich auch über längere Jahre im Besitz eines 24,5mm SWA der Meade Serie 4000 und auch wenn ich es damals gern abgegeben habe, um es durch ein deutlich besseres Okular zu ersetzen, habe ich es doch in guter Erinnerung. Das geht nicht wenigen Sternfreunden so und das Okular findet sich so gut wie nie auf dem Gebrauchtmarkt. Aber was bleibt, wenn anstelle des verklärten Blicks auf ein verflossenes Okular die nüchterne Vergleichsbeobachtung tritt? Das wollte ich anhand des 18mm Exemplars derselben Serie herausfinden.
Das Okular konnte ich 2017 als sehr günstigen Gebrauchtkauf in makellosem Zustand mitsamt dem original Drehpack erwerben. Es handelt sich um die Version mit Gummiaugenmuschel, die also ab etwa 1990 bis ca. 2002 im Handel war.
Welches Okular kommt heute noch 60mm hoch und 34mm schlank daher? Das ist so mein unwillkürlich erster Eindruck, wenn ich es mir für die äußerliche Beschreibung zur Hand nehme. Leicht ist es auch: Genau 100 Gramm. Die Verarbeitung ist ordentlich und das Alter hat weder dem Mattlack in der Steckhülse noch der Augenmuschel aus weichem Silikongummi geschadet. Auch die Gummiarmierung ist OK. Eine Sicherungsnut fehlt, sie ist heute einerseits wirklich Standard, andererseits ist das Okular ja auch sehr leicht. Das Aussehen ist natürlich bieder, während zahlreiche moderne Okulare vergleichsweise fancy ausschauen. Der Blick auf die Linsen zeigt allerdings Vergütungsfarben, die man heute eher nicht sieht. Gelb, Grün und Fliederfarben schauen sie aus - seinerzeit war die Mehrschicht-Vergütung mit 7 Schichten gehobener Standard, wenn auch nicht die Spitze des machbaren. Heute sehen die Vergütungen selbst günstiger Okulare besser aus. Bei insgesamt sechs Linsen in vier Gruppen, laut der Zeichnung der alten Meade-Homepage ein 2-1-2-1-Design, spielt die Vergütung also durchaus eine Rolle. Insgesamt dreht es sich also um 8 Glas-Luft-Flächen. Nicht ungewöhnlich und auch heute, 2017, noch üblich bei Okularen mit diesem Gesichtsfeld.

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Die Reflexfarben weisen auf heute nicht mehr aktuelle Vergütungstechnologie hin.
Die Belichtung gibt den Mattlack in der Steckhülse zu hell wieder.

Zum Einsatz kam das Okular zunächst an einem 130/650 Newton, der als Selbstbau aus einem ehemaligen Vixen R 130Sf hervorging. Der auf 2“ Okulardurchmesser aufgerüstete Tubus erlaubte auch den Einsatz eines Komakorrektors, in diesem Fall der Paracorr von Televue. Es brauchte leider nur einen ersten Blick auf den Doppelsternhaufen H&χ, um festzustellen, dass das Okular mit dem großen Öffnungsverhältnis deutlich Probleme hatte. Es lieferte die Sterne am Bildrand nur mit erheblicher Unschärfe, so dass man nur einen kleinen Bereich um die Mitte des Bildfeldes absolut scharf erkennen konnte. Ein Kreis von etwa 40° Durchmesser war sehr gut wiedergegeben, dann aber wurde die Randunschärfe immer deutlicher. Daran änderte auch der Komakorrektor nichts, sondern im Gegenteil, die Sterne am Bildrand wurden noch stärker radial in die Länge gezogen. Auch durch Nachfokussieren war daran nichts zu ändern, lediglich die Form der von Okularastigmatismus verzeichneten Sterne änderte sich. Der gut brauchbare Teil des Bildfelds ist damit eher mit einem typischen Plössl-Okular vergleichbar, das normalerweise 50° scheinbares Gesichtsfeld aufweist.
Der Einsatz am schnellen Newton war damit eher ernüchternd, allerdings waren solche Geräte vor 20 Jahren noch deutlich seltener, als sie es heute sind. Es schien also keine schlechte Idee, anstelle des Newtons einen langbrennweitigen Mak zu setzen. Der Skywatcher Skymax 90/1250 stellt mit einem Öffnungsverhältnis von f/13,9 eher geringe Anforderungen an’s Okular und das kleine und leichte Okular passt natürlich gut zu einem kompakten Teleskop. Auf den ersten Blick machte es einen besseren Eindruck - das galt aber nur für schwächere Sterne. Ausreichend helle Sterne, wie sie im Doppelhaufen H & Chi auch für 90mm Öffnung dabei sind, zeigen auch an diesem Gerät Asti schwalben mit breiteren tangentialen Flügeln und kleinerer Radialer Verzerrung der Sterne. Wie schon zuvor begann dies ab 40° Felddurchmesser deutlich zu werden und wurde zum Rand hin stärker. Dies ließ sich auch nicht nachfokussieren, was den Unterschied zu einem einfachen 20mm Plössl ausmachte. Auch beim Plössl begann im selben Bereich eine deutliche Unschärfe, jedoch waren die Sternpünktchen nachfokussierbar, also durch Bildfeldwölbung unscharf. Das können zahlreiche - allerdings ausdrücklich nicht alle - heutige Okulare deutlich besser.

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Das damals mitgelieferte Drehpack war und ist eine gut praxistaugliche Lösung.

Insofern beschränkt sich der praktische Nutzen für dieses Okular aus der legendären Meade Serie 4000 heute eher auf Einsätze, bei denen die sehr kleine Bauform und das geringe Gewicht unbedingt nötig sind. Dem seinerzeit dafür geforderten Preis entspricht das eher nicht. 1989 Betrug der Listenpreis 339,- D-Mark und in 2002 gar 253,.- Euro. Sammlerwerte, so wie sie für die Meade UWA Serie 4000 eher mit Bedenken gezahlt werden, sollte man für die SWA aus dieser Reihe eindeutig nicht ausgeben. Und während man bei den UWA der Serie 5000 einigen Eigenschaften der Serie 4000 nachtrauert, kann man sagen, dass die SWA der Serie 5000 ihre Vorgänger übertreffen. Der Mythos der UWA Serie 4000 ist also definitiv nicht auf die sehr ähnlich aussehenden SWA übertragbar. An Geräten mit kleinem Öffnungsverhältnis, wie dem hier genannten 90mm Mak, kann es eine interessante Anschaffung sein. Es sollte dann aber  nicht mehr kosten, als aktuelle Okulare mit 65° bis 70° scheinbarem Gesichtsfeld.

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