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Der GSO 8-Zöller

Das GSO 8" Newton
ein kurzer Erfahrungsbericht

In den letzten Jahren erfreuen sich die DeepSky optimierten 8 Zoll Newton-Spiegelteleskope wachsender Beliebtheit.  F/4 Geräte mit 800mm Brennweite sind hier die kompromisslosesten und die Neuerwerbung des Sternfreundes Daniel bot sich zum Test geradezu an: Er wählte eine Version mit 2 Zoll Okularauszug und Rohrschellen zur parallaktischen Montierung. Geräte mit 1,25 Zoll Okularauszug sind zum einen nicht für DeepSky Fotografie zu empfehlen und bieten zum anderen nicht das wunderbar grosse Gesichtsfeld von über 2 Grad.
Das Gerät weist auf den ersten Blick eine sehr große Ähnlichkeit mit dem
Vixen R200SS auf. Im Detail aber gibt es deutliche Unterschiede.

GSO mit Leitrohr
Der GSO mit Russentonne als Leitrohr

Das Blech des Tubus wird mit einer Falznaht zusammengehalten. Der Tubus ist zwar stabil, könnte aber doch gerne ein wenig robuster sein. Die Rückwand und Spiegelzelle ist aus Aluminiumguss und recht stabil, aber der Tubus sitzt doch ziemlich verspannt in dieser Spiegelzelle. Der Hauptspiegel wird von gummigepufferten Klemmen gut gehalten. Bei unserem Gerät hatte er genügend Spiel, so daß keine Verspannung auftrat. Der Tubus ist von innen Mattschwarz lackiert, die Farbe könnte aber etwas abriebfester sein.
Der Okularauszug ist für das kurzbrennweitige Gerät viel zu lang. Er läßt sich um bis zu 11 cm herausdrehen, was allenfalls bei Tagbeobachtung naher Objekte brauchbar ist. Bei enger Fokuslage, zum Beispiel zur DeepSky Fotografie ragt das untere Ende des Okularauszuges weit in die optische Fläche herein. Hier soll demnächst die Säge abhelfen...(*)

Okularauszug im Detail
Der Okularauszug, ganz ordentlich.
Am grünen Reflex zu erkennen: Hier hat sich ein R200SS-Komakorrektor eingeschlichen!

Der Okularauszug ist stabil genug zur visuellen Beobachtung, nach anziehen der Feststellschraube völlig wackelfrei für Fotografie. Bemerkenswert ist übrigens, daß sich unter den Okularadaptern jeweils ein passendes Gewinde für einen Komakorrektor a`la R200SS befindet.Das integrierte Gewinde hielten wir zunächst nicht für T2, nun stellte sich aber heraus, daß zumindest das T2-Gewinde an meinem Vixen Projektionsadapter passt. Das Gewinde wurde also nicht sonderlich genau gedreht, so daß einige T2-Ringe nicht passen.
Der Fangspiegel hängt an einer robusten Vierarm-Halterung aus Alu-Guss. Mit Halterung bewirkt er eine 75mm durchmessende Abschattung, wobei aber der eigentliche Spiegel nur 73mm Durchmesser hat. Er leuchtet das Kleinbildformat ohne ersichtliche Vignettierung aus. Die Fangspiegelfassung ist nur aus Kunststoff. Das spart zwar deutlich Gewicht, machte uns beim Justieren aber Ärger. Da wir hier nicht mit Kunststoff rechneten, zogen wir die Justierschrauben fest an, wie es bei einer Metallhalterung der Fall sein sollte. Der Kunststoff aber hielt diese Belastung nicht aus und teilte dies mit einem unfreundlichen Knacken mit. Es gab kleine Entlastungsrisse, die sternförmig vom vergossenen Messinggewinde der Führungsschraube ausgingen. Wir konnten dies leicht kitten und wegen der Elastizität des Kunststoffes sitzt der Fangspiegel auch bei gefühlsmäßig weicher angezogenen Schrauben bereits bombenfest. Trotzdem ist dies unangenehm, auch deshalb, weil die Justierschrauben schon im Auslieferungsszustand deutliche Krater im Kunststoff hinterlassen hatten. Diese Krater stören, falls der Fangspiegel etwas vom Okularauszug weggedreht ist, denn die Schrauben rutschen bei leichten Korrekturen dann schnell wieder in die alten Krater. Eine unter die Fassung geklebte Metallplatte würde dem Gerät daher gut anstehen. Der Fangspiegel ist übrigens auf der Fassung aufgeklebt und nicht verklammert.

Fangspiegel und Justierschrauben
Gleich bei den ersten Justieraktionen begannen die Köpfe der Schrauben auszufressen.
Alle Justierschrauben wurden durch ordentliche Schrauben ersetzt.

Der Hauptspiegel ist durch die üblichen Zug- und Druckschrauben zu justieren. Die Schrauben haben aber schlechte Qualität, wodurch die Köpfe nach einigen Justierungen übel aussehen. Da es sich um normale M-Gewinde handelt, können die Schrauben leicht ersetzt werden, bevor der Schraubenzieher durchdreht.
Abgerundet wird das ganze von stabilen Rohrschellen und einem 8x50 Sucher, den das Gerät aufgrund seiner DeepSky Spezialisierung einfach braucht. Zu bemerken ist, dass die Rohrschellen je 2 x M6-Gewinde zur Befestigung an der Montierung haben. Wer einmal versucht hat, für eine Eigenbau-Montierung oder Leitrohr-Befestigung Senkkopf-Fotoschrauben zu finden, wird dies schätzen.
Bei der visuellen Beobachtung machte das Gerät einen guten Eindruck. Kugelsternhaufen wie M13 oder M3 wurden, wie es bei einem 8 Zöller auch zu erwarten ist, vollständig aufgelöst. M92, ein etwas schwächerer Kugelsternhaufen war bis fast ins Zentrum aufgelöst. Im LV 30 ist am Rand des Gesichtsfeldes die Koma zu bemerken. Bei stärker vergrößernden Okularen unter 20mm Brennweite fällt sie visuell nicht mehr auf.
Bei der Planetenbeobachtung fallen die Beugungsstrahlen der großen Fangspiegelhalterung unangenehm auf. Auch wenn das Gerät für DeepSky optimiert ist, könnte der Kontrast am Planeten doch etwas besser sein. Bei schlechtem Seeing ist z.B. ein 90mm Refraktor leistungsstärker. Bei gutem Seeing aber leistet das Gerät wesentlich mehr. Wer also von einem typischen Einsteigergerät, wie einem 114mm Newton oder einem 90mm Refraktor mit diesem Gerät den Aufstieg wagen will, wird auch bei der Planetenbeobachtung nicht enttäuscht sein.
Zur DeepSky-Fotografie ist ein Komakorrektor dringend zu empfehlen. Nur ein drittel des Kleinbildformats ist wirklich komafrei.
An die Montierung stellt das Gerät höhere Ansprüche, als die üblichen 8 Zoll SCs. Auf einer GP ist das Gerät eigentlich nur visuell einsetzbar. Eine GP-DX hingegen bietet eine stabile Basis zur Fotografie.

Blick in den Tubus
Der Okularauszug ragt weit in den Tubus!

Fazit:
Der 8 Zöller von GSO ist ein guter Einstieg in diese Klasse. Er ist visuell wie fotografisch schön einzusetzen und das zu einem sehr günstigen Preis. Die Optik erfüllt auf jeden Fall alle Erwartungen.
Der fotografische Einsatz zieht dann aber als Folgekosten noch mindestens die Anschaffung eines Komakorrektor nach sich, was den Preisvorteil verkleinert. Wenigstens das T2-Gewinde im Okularadapter hätte brauchbar gedreht sein können, da dieses Gerät wohl hauptsächlich von fotografisch interessierten Amateuren gekauft wird. Es ist ja geradezu Branchenüblich, daß Geräte gerade dort kein T2-Gewinde erhalten, wo es sich mit Leichtigkeit anstelle eines anderen Gewindes hätte anbringen lassen. Diese Variante ist dagegen neu.
Wer das Gerät mit dem Auto zum Beobachtungsort transportiert, sollte den Justierlaser zwar im Okularkoffer haben, wird aber nicht nach jeder Fahrt nachjustieren müssen.

Leitrohrmontage
Rohrschellen und Leitrohrmontage im Detail

(*) Der Grund für den überlangen Okularauszug sollen Brennweitentoleranzen des Hauptspiegels sein. Dadurch kommt der Fokus je nach Gerät in eine andere Lage. Bei einigen Geräten wäre dann tatsächlich dieser lange Auszug nötig.
Um zu testen, ob der Okularauszug bei der Fotografie in die optische Fläche hineinragt, markiere man sich die Position des Okularauszugs bei scharfem Bild z.B. des Mondes im Kamerasucher. Dann setze man statt der Kamera ein Okular ein und stelle den Okularauszug wieder in die markierte Position und suche einen hellen Stern. Im unscharfem Sternscheibchen zeichnen sich Fangspiegel, Streben und eventuell auch das Ende des Okularauszuges ab.

Anmerkung: Ende Oktober 2002 wurde mir von Teleskop-Service Wolfgang Ransburg mitgeteilt, daß GSO inzwischen einige Änderungen vorgenommen hat. So werden nun sehr dünne Fangspiegelstreben verwendet, um die Beugungsstrahlen abzuschwächen. Ausserdem wurde der Okularauszug verbessert. Er soll nun Spielfrei arbeiten.

 

Der neue GSO 600

Seit Mitte 2002 gibt es den 200/800 Newton von GSO in einer neuen Form. Anfang 2003 gab es die Gelegenheit, die neue Version genau zu betrachten, da Sternfreund André Walczak ein solches Gerät erwarb. Am offensichtlichsten ist die neue Tubus-Farbe, eine blaßgoldene Metalliclackierung lässt das Gerät wirklich gut aussehen. Weitere Neuerungen betreffen den Okularauszug, die Justierschrauben, die Fangspiegelhalterung und die Rohrschellen. Dieser GSO ist auf einer Baader-Schiene für GP-Montierungen aufgesetzt, im Bild gut zu sehen.


Der “neue” GSO

Sofort fällt die neue Fangspiegelspinne ins Auge. Hier wurden, grob geschätzt, 4 Zentimeter breite und 1 Millimeter starke Bleche verwendet. Der Fangspiegel sitzt darin recht stabil, die neue Spinne ist gut (foto-)praxistauglich, obwohl natürlich gegenüber der alten Spinne ein Stabilitätsverlust vorhanden ist. Optisch ist dies aber zu begrüßen, denn die Newton-Spikes werden deutlich schwächer.


Das Profil der Fangspiegelhalterung ist “hauchdünn”

Der Okularauszug ist ebenfalls verbessert worden. Mit Madenschrauben, die auf zwei Teflonstreifen drücken, lässt sich das Spiel des Auszuges justieren. Der Auszug ist jetzt auch nicht mehr überlang. Der Okularanschluß ist allerdings völlig neu und damit fehlt auch die Anschlußmöglichkeit für den R200SS Komakorrektor.


Der neue Okularauszug mit 2” Okularanschluß und eingesetztem 1,25” Adapter

Als Komakorrektor empfiehlt sich der Baader Komakorrektor, den Baader auch für Celestron fertigen lässt. Der Anschluß dieses Komakorrektors erforder nun doch einige Änderungen. Und zwar muß die Ultrakurze 2” Okularklemme verwendet werden, in die der Korrektor wie ein 2” Okular eingesteckt wird. Da hier später das Gewicht der Kamera aufgehängt ist, ist eine 2” Klemme mit 2 Klemmschrauben ganz empfehlenswert. Der Korrektor endet auf T2-Gewinde, so daß die Kamera direkt und sehr kurzbauend angeschlossen werden kann. Die Unterseite des Komakorrektors bietet übrigens ein Standard-2” Filtergewinde, so daß Fotografie mit Filtern problemlos machbar ist.


Der Baader/Celestron Komakorrektor mit kurzbauender 2” Klemme

Visuell ist der Nutzen des Komakorrektors damit natürlich eingeschränkt. Problemlos lässt sich natürlich am T2-Gewinde des Korrektors eine 1,25” Okularhalterung anschliessen. Auch eine 2” Okularhalterung ist mit T2-Anschluss erhältlich, allerdings kommt es je nach Gesichtsfeld des Okulars zu deutlicher vignettierung, da das T2-Gewinde mit 42mm Durchmesser das eigentlich 48mm große 2” Bildfeld beschneidet. Dies wirkt sich zwar nur für wenige Okulare aus, zum Beispiel hat das F/4-freundliche LV 30 eine kleinere Feldlinse. Dennoch sollte der Umstand Erwähnung finden, da der Komakorrektor vielen Okularen bei der Randkorrektur hilft.


Komakorrektor, unten eine eingeschraubte Helipan-Filterfassung als Gewindeadapter -
siehe 2” Filtergewinde

Neu sind auch die Justierschrauben für den Hauptspiegel. Zug- und Druckschrauben liegen nicht mehr direkt nebeneinander. Sie sind nun mit Handgriffen versehen, so daß die Justage etwas einfacher geht. Besonders bei der Laserjustage muß man ja lange Arme haben, wodurch der Schraubendreher-Einsatz eine fummlige Angelegenheit ist. Allerdings ist es nun wohl nicht mehr ratsam, das Gerät auf der Rückseite abzustellen - schnell kann man sich eine Schraube verbiegen, und der Stoß beim Absetzen geht nunmal direkt auf die Spiegelzelle, was der Justage nicht zuträglich sein kann. Gelagert werden sollte das Gerät so ohnehin nicht, aber beim Auf- und Abbau würde man die Optik doch ganz gerne mal aufrecht stellen.


Gut handhabbar: Die Justierschrauben - mit kleinen Einschränkungen fürs Handling insgesamt

Die TS-Rohrschellen sind recht robust, aber nicht ohne Nachteile. Im obigen Bild ist der Ansatz für die Montageschiene bzw. die Montierungsplatte gut erkennbar. Auf der Gegenüberliegenden Seite fehlt dieser Ansatz jedoch, es gibt nur eine Gewindebohrung ohne Abflachung oder Ansatzstück. Das macht es schwierig, eigentlich sogar unmöglich, hier ein Leitrohr oder eine Piggyback-Halterung anzubringen.

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