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Welches Teleskop?

Die vielleicht brennendste der vielen Fragen eines Einsteigers. Mehr als Hilfestellung kann auch der erfahrene Amateurastronom kaum geben. Dennoch sind einige wertvolle Hilfen hier zusammengetragen.

Was habe ich bereits?
Ja, diese Frage hat ihre Berechtigung. Denn schon ein Opernglas aus Omis Schublade zeigt erstaunliches, wenn es auf den Sternenhimmel gerichtet wird. So manches Astronomie-Buch für Einsteiger kennt für die Beschreibungen von Sternhaufen und Nebeln neben dem A für Auge, dem F für Feldstecher und dem T für Teleskop auch das O für Opernglas. Mit einem Feldstecher zeigt sich noch mehr. Die heute gebräuchlichen Mini-Feldstecher für Wanderungen zeigen so manchen Mondkrater und der Planet Jupiter wird vom Stern zur kleinen Kugel, umgeben von den 4 gallileischen Monden.

Was soll mein Einsteigerteleskop leisten?
Das wichtigste vorweg: Kein Teleskop kann alles, und es gibt immer noch ein besseres, größeres, schärferes. Und das zweit-wichtigste: “Jedes Teleskop hat seinen Himmel!!!”
Allzu oft bekommt der Einsteiger gesagt: “Frage hundert Leute, so bekommst Du tausend Meinungen.” Das stimmt. Demnach stellt ein Großteil des Folgenden meine Meinung dar, die allerdings auf einigen Jahren Erfahrung mit Einsteigern und meinen eigenen als Einsteiger basiert. Um es mir einfach zu machen, schreibe ich erstmal ein wenig, was man nicht machen sollte.

1. Fehler: Die eierlegende Wollmilchsau
Kein Teleskop kann alles und erst recht nicht alles gleich gut. Das typische Einsteigerteleskop zeigt aber alles für den Einsteiger interessante ausreichend gut. Man sollte sich also keine Sorgen machen, wenn man zu hören bekommt, daß ein Spiegelteleskop nicht so gut für Planeten geeignet wäre, und das ein Linsenteleskop ja nicht genügend Öffnung für schwache Nebel hätte. Mit beiden Geräten kann man zurecht kommen und beide Arten von Objekten beobachten. Nur wird sich bei gleicher Preislage der Geräte mal hier und mal dort mehr Erfolg einstellen.

2. Fehler: Eins, zwei, drei Einsteigerteleskope
So mancher hat in jungen Jahren unverhofft unterm Weihnachtsbaum ein Teleskop gefunden. Aber so das richtige war’s doch nicht. Aber zuviel Geld soll das nächste auch nicht kosten. Und auf einmal stellt man fest, daß man zwei Einsteigerteleskope besitzt und trotz der vermeintlich so groß geschilderten Unterschiede sieht man selbst in beiden Geräten nur das selbe. Wer sein 2. Teleskop kaufen will, der sollte mit dem ersten schon soviel Erfahrung gesammelt haben, daß er selbst weiss, was er will.

3. Fehler: Mit einem Computerteleskop sehe ich mehr, weil ich mich am Himmel nicht auskenne
Leider nein. Richtig ist zwar, daß das Computerteleskop das Suchen von selbst erledigt. Doch vorher will es anhand von 2 Sternen auf den Himmel geeicht werden. Da steht der Anfänger nun, und fragt sich: Welcher Stern ist denn nun Aldebaran und welcher  ist Capella? Und wer dann so weit ist, daß er diese Sterne vom Namen her kennt, der ist dann aber auch schon so weit, daß er dem Goto-Teleskop die Arbeit abnehmen könnte. Wer einen Stern dem Namen nach in der Karte findet, der findet auch den Punkt, an dem der Kugelsternhaufen M13 steht. Und der helle Planet Jupiter ist noch leichter gefunden.
Wer also ein Goto-Teleskop kauft, der gibt leicht viel Geld für die Elektronik aus, das er Später an der Optik seines Teleskops vermisst.

4. Fehler: Nachts ist es dunkler und viel kälter als draussen!
Dieser recht merkwürdige Satz will darauf hinweisen, daß es in klaren Nächten oft empfindlich kühl wird. Ausserdem merkt man bald, wie sehr Licht die Beobachtung stört. Da man also oft frierend im dunkeln steht,  hat so Mancher wenig Toleranz für eine wackelnde Montierung oder andere Unzulänglichkeiten. Das ist der Hauptgrund, weshalb das Teleskop nach wenigen Nächten im Keller verrottet. Schade! Denn nicht wenige bekommen nach Jahren den Anstoss, das Hobby wieder aufzugreifen. Ein anderer Sternfreund gibt wertvolle Tipps zu einer vernünftigen Montierung und scharfen Okularen für wenig Geld - und dann wird den verlorenen Jahren nachgetrauert. Die beste Optik ist wertlos, wenn die Montierung so wackelt, daß man beim Scharfstellen im tanzenden Bild den Schärfepunkt nicht findet. Lieber zunächst die Montierung eine Klasse besser wählen, als die Optik. Besser meint aber stabiler, nicht mehr Schnickschnack. Siehe Fehler 3!

Wie dann?

Ein Einsteigerteleskop sollte ein Gerät sein, um das Hobby und seine persönlichen Vorlieben daran kennenzulernen.Mancher Hobbyastronom jagt in mondlosen Nächten dem schwachen und millionen Jahre alten Schein von fernsten Galaxien nach. Andere erfreuen sich der Pracht der Sternhaufen in der heimischen Milchstrasse. Der nächste nennt den zweifarbigen Doppelstern Albireo das schönste Juwel am Himmel, während sein Nachbar auf derselben Wiese Girlanden und Wirbel in Jupiters Wolkenbändern verfolgt.
Und all das kann ein Einsteigerteleskop? Ja, aber sicher! Denn jeder Bereich hat seine Objekte, die auch dem kleinen Teleskop genügen. Der Galaxienjäger hat vielleicht als seine erste ferne Sterninsel den Andromedanebel gesehen, der schon mit blossem Auge sichtbar ist. Auch der erwähnte Albireo ist schon im Einsteigerteleskop zu sehen. Der Planetenfreund denkt vielleicht mit Kribbeln im Nacken daran, wie er so lange trainiert hat, bis sein Auge geübt genug war, im kleinen 60mm Refraktor den Schatten eines Jupitermondes auf der Oberfläche des Gasriesen zu erkennen.
So meine ich also, daß ein ideales Einsteigerteleskop den Einsteiger unter all den neuen Beobachtungszielen diejenigen finden lässt, die ihm am meisten Spaß, ja Nervenkitzel bereiten. Wenn dann das erste Teleskop zu klein wird, dann steht der Einsteiger nicht mehr als Einsteiger da und weiss, welches Objekt sein nächstes Teleskop besser als alles andere zeigen soll.

Was ist dann ein gutes Teleskop für den Einstieg?

Im Grunde gibt es da nur drei Möglichkeiten.
1. Das Spiegelteleskop nach Newton mit 114mm Öffnung und 900mm Brennweite, parallaktisch montiert
Wirklich ein Allround-Gerät und sehr verbreitet. Das Gerät zeigt viel Detail am Planeten und sammelt mit seiner grossen Öffnung genug Licht, um eine Anzahl schwacher Nebel erkennen zu können.
Die parallaktische Montierung wird auf den Polarstern, also parallel zur Erdachse ausgerichtet.  Auch wenn das nur grob geschieht, kann man die Bewegung des Himmels leicht ausgleichen und ein Objekt im Okular halten.
Man achte beim Kauf darauf, daß dieses Teleskop auch in etwa so lang wie seine Brennweite ist, also um 800mm und nicht etwa nur halb so lang. Sonst hat man einen Catadioptrischen Reflektor vor sich, der einige Probleme bereiten kann.

2. Das Linsenteleskop mit 70-90mm Öffnung und 700-1000mm Brennweite, parallaktisch Montiert
Am Planeten manchmal dem 114mm Newton-Teleskop überlegen, erkauft man sich dies mit einer kleineren Öffnung, die nur für wenige Nebel ausreichend Licht sammelt. Dennoch ein beliebter und guter Einstieg.

3. Das Dobson-Teleskop
Viel Öffnung für wenig Geld ist die Devise. Ein Dobson-Teleskop erinnert ein wenig an die Kanone eines alten Piratenschiffs. Nur ist es wesentlich friedlicher und das selten unter 150mm durchmessende Rohr zeigt einiges mehr, als “normale” Einsteigerteleskope.
Mancher vermisst hier die Bequemlichkeit der parallaktischen Montierung. Wer den Dobson beherscht sieht aber für das gleiche Geld wesentlich mehr, als andere. Der übliche “kleine” Dobson mit 150mm oder gar 200mm Öffnung kostet aber derzeit noch deutlich mehr, als die erstgenannten Einsteigerteleskope

Unbedingt beachten: Zubehör!
Schnell vergessen hat man das Zubehör.  Die meisten Einsteigerteleskope erhält man als Komplettpaket mit der Montierung und einigem Zubehör. Üblich sind 3 Okulare, eine Barlow und beim Linsenteleskop unentbehrlich ein Zenitspiegel oder ein Zenitprisma. Das beigelegte Zubehör kann von sehr unterschiedlicher Qualität sein. Das untere Ende des Spielraumes bilden die Okulare mit 24,5mm Steckdurchmesser mit Linsen aus Plastik. Davon kann man nur abraten, denn diese Plastikokulare liefern nicht im Entferntesten die Beobachtungsmöglichkeiten, die das Teleskop mit vernünftigen Okularen auszeichnen. Auch wenn es nur ein Einsteigerteleskop ist, lohnt es sich, auf einen Okularauszug für Okulare mit 31,8mm Einsteckdurchmesser zu bestehen. Warum, das findet man auf der
Einsteigerseite über Okulare.
Eine weitere “Macke” der Hersteller ist die Werbung mit Vergrößerung. Mehr als das 2-fache des Durchmessers in Millimetern ist nicht sinnvoll, auch wenn für solche Abenteuervergrösserungen noch Okulare beiliegen. Dazu lese man eine typische
Werbung für ein Einsteigerteleskop von einem eher unseriösen Anbieter.

Zum Schluß vielleicht noch der allerwertvollste Hinweis. Man kann durchaus auch im Katalog des Modeversandhauses, oder im Kaufhaus erfolgreich ein Einsteigerteleskop erhalten. Wer sich aber in der Materie nicht auskennt, muß sich da eher auf sein Glück verlassen. Auch der Weg zum (Brillen-) Optiker in der Fußgängerzone ist nicht unbedingt ein Garant für eine richtige Beratung - es kommt hier darauf an, ob sich der Verkäufer tatsächlich mit Astronomie beschäftigt. Am Sichersten fährt man also, indem man sein Teleskop bei einem Astronomie-Händler kauft. Hier erscheinen die Teleskope zwar auf den ersten Blick teurer, als jene “im Supermarkt”, dennoch kommt man auf seine Kosten, weil meistens das Zubehör vom Astro-Händler eine deutlich bessere Qualität hat.

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