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Spielzeugteleskop oder Instrument?
Eine Grauzone!

Ist ein Teleskop nun eher als Spielzeug gedacht, mal so zum Ausprobieren, oder kann es auch weiter gehende Ansprüche befriedigen, ist es gar ein Instrument mit dem sogar geforscht werden könnte? Die meisten heutzutage verkauften Teleskope kann man schwer dem einen oder anderen Bereich zuordnen. Letztlich befindet man sich in einer Grauzone. Es gibt aber eine Reihe von klar erkennbaren Eigenschaften, die ein Teleskop eher in den Bereich Spielzeug einordnen lassen.

Was bedeutet das?

Wenn man das Gerät schon hat, bedeutet das vielleicht nur, dass Unzulänglichkeiten bei der Bedienung dieses Teleskops nicht grundsätzlich bei jedem Teleskop auftreten. Auf jeden Fall sollte man ein vorhandenes Gerät benutzen. Wenn es sich mit Freude einsetzen lässt, ist eigentlich alles in Ordnung. Erlebt man Probleme, sollte man Abhilfe suchen oder auch diese Probleme beim nächsten Teleskopkauf im Auge behalten.

Will man ein Teleskop kaufen, sollte man überlegen, ob die geschilderten Schwachstellen mit dem vereinbar sind, was man erwartet. Manchmal kann man einfach nicht mehr Geld ausgeben. Dann hat man immerhin Anhaltspunkte für den Vergleich verschiedener Angebote. Das wichtigste aber ist, dass man ein solches Gerät besser einschätzen kann. Die Werbung macht nämlich aus jedem Spielzeug ein "Raumfahrt-Teleskop SuperstarkTM".

Okularauszug aus Plastik

Der Okularauszug muss das Okular und bei manchen Geräten auch den Zenitspiegel stabil halten und soll zugleich ein feinfühliges Scharfstellen ermöglichen. Das geht, aber eben nicht in Plastikausführung. Durchbiegung, schwergängige Verstellung, eine Bildverschiebung beim Richtungswechsel ("Shifting") und Ausleiern, im schlimmsten Fall das Ausbrechen von Zähnen, kennzeichnen zu billige Okularauszüge. Plastik wird gern mit Hammerschlag-Lack und Chromglänzendem Überzug als Metall getarnt. Wer keine Berührungsängste hat, kann gut mit den Lippen kaltes Metall von warmem Kunststoff unterscheiden.

Okularauszug aus Plastik
Sieht nett aus - aber dieser Okularauszug ist komplett aus Plastik.

Plastik Okulare?

Man hofft ja, dass wenigstens die Linsen aus Glas sind, wenn die Einsteckhülse schon aus Plastik ist. Zwar kann man Okulare auch austauschen, wenn aber im Lieferumfang wirklich Plastikokulare sind, dann ist die Kategorisierung "Spielzeug" eindeutig. Unterste Grenze sind Okulare mit Metallgehäuse und blau vergüteten Linsen aus Glas. Lieber kein beigelegtes Okular als solche aus Plastik.

Plastikokulare
Typische Plastik-Okulare

Plastik Barlow?

Sie ist nicht totzukriegen, die 3x Barlow mit Bildumkehr, die sogar Geräten beiliegt, die man damit gar nicht scharfgestellt bekommt, weil der Fokussierweg nicht ausreicht. Sie ist eigentlich kein gutes Zeichen, aber auch kein eindeutiges, weil sie zuweilen auch gut verarbeiteten Geräten beigelegt wird. Immerhin spricht sie dafür, dass man sich auf den Rest des beigelegten Zubehörs nicht viel einzubilden braucht.

Montierung EQ-1 oder AZ-1 und deren Schwestern

Leider wird hier oft ein durchaus brauchbares Teleskop durch die zu schwache Montierung zum unbrauchbaren Spielzeug. Der umgekehrte Fall ist hingegen kaum anzutreffen. Sozusagen die Minimallösung sind schon beim Ansehen dünn wirkende Montierungen. Sie tragen eigentlich nur ganz leichte und kurze Teleskope und werden viel zu oft im Set schon überladen ausgeliefert. Besonders schlimm sind azimutale Montierungen mit so genannter Tangenzialarm-Feineinstellung. Von Anfang an eine Fehlkonstruktion und in der vorgefundenen Qualität nichts als wacklig, absackend, nervig.

Eine kleine parallaktische Montierung
Die Montierungen der Klasse EQ-1 bis EQ-2 heißen immer mal anders und sehen sich ähnlich. Für kleine und vor allem nicht zu lange Teleskope sind sie brauchbar. Im Paket verkauft sind  sie meist hoffnungslos überfordert...

Plastik Zenitspiegel

Wenn er wirklich ganz aus Plastik ist, also auch der Spiegel, dann ist klar, dass man Spielzeug vor sich hat. Auch Exemplare, bei denen der Durchlass viel kleiner ist, als die Steckhülse, sind nicht Vertrauen erweckend. Aber Plastikgehäuse mit einer Metallrückwand und einem ordentlichen Spiegel auf Glasträger tun durchaus ihren Job. Eine Plastik-Klemmhalterung ist noch akzeptabel, eine Plastik-Steckhülse, unter Chromglanz getarnt, spricht wieder für Spielzeug.

Grüner Mondfilter?

Auch so ein Dauerbrenner. Er tut sozusagen nicht weh. Manchmal ist dieser Mondfilter auch eher bläulich. Das Teleskop, dem er beiliegt, ist wohl auf alle Fälle günstig, muss aber nicht schlecht sein.

Okular-Sonnenfilter?

Der Sonnenfilter zum Einschrauben ins Okular ist ein gefährliches Zubehörteil, das zum Glück immer seltener wird. Diese Einschraubsonnenfilter können platzen, wenn die vom Teleskop aufgefangene Hitze zu groß wird. Da dies ganz plötzlich geschieht, ist der Beobachter chancenlos, sein Auge schnell genug zu retten. Hat der Filter eine Plastikfassung, sollte man ihn ohne weitere Umstände nicht nur einfach entsorgen, sondern besser gleich zerstören.
Informieren Sie sich
unter diesem Link.

Okular-Sonnenfilter: Bei der Beobachtung geschmolzen und geplatzt.
Der geschmolzene und geplatzte Filter zeigt es: Derartige Sonnenfilter müssen entsorgt werden.
Überlassen Sie einen solchen Filter nicht Ihrem Kind!
Klären Sie Ihre Kinder über die Gefahr von Sonnenbeobachtung ohne Filter auf!

Für Dachbodenfunde gilt etwas anderes, weil vor etlichen Jahrzehnten durchaus brauchbare Filter dieser Art hergestellt worden sein müssen. Solange man aber nicht weiß, was man vor sich hat, rate ich von einer Verwendung ab. 20 Euro für einen Bogen Sonnenfilterfolie sind wahrlich nicht zu teuer. Man kann natürlich gegenrechnen: Der Verlust eines Auges wird mit einer 75%igen Minderung der Erwerbsfähigkeit bewertet.

6x24 "Farbsucher"?

Es gibt durchaus 6x24 Sucher, die ordentlich funktionieren. Je länger und schlanker diese Sucher aber sind, desto eher steht zu befürchten, dass der Sucher mit einem Faden- äh... Balkenkreuz aus dicken Kupferdrähten schon bei Tage eine schwarze Hausecke gegen hellen Himmel mit einem buntem Regenbogenspiel ”verziert”. Ein Sucher, aber kein Finder kennzeichnet Spielzeugteleskope.

Plastikrohrschellen?

Sie tragen nur wirklich leichte Teleskope. Man ist damit zumindest nicht weit weg vom reinen Spielzeug.

Plastik-Tubusabschlussringe? Auf Plastikdeckel geklebte Hauptspiegel?

Da gibt es Produkte, die verwundern aufgrund ihrer Dreistigkeit. Da wird brauchbare Optik in Plastik gesetzt ohne jede Justagemöglichkeit. In solchen Fällen hat man reines Spielzeug, beinah schon ein Deko-Teleskop vor sich. Aber es gibt auch ein paar Geräte, bei denen man über die Verwendung von Kunststoff recht erstaunt ist. Ein paar Maksutov Cassegrains sind trotz einer kompletten Rückwand aus Plastik gute Teleskope - weil unter der Haube die eigentlich tragenden Teile aus Metall sind. Es wird aber trotzdem ungern gesehen. Tubus-Abschlussringe und Rückwände sollen den ganzen Tubus stabilisieren. Dafür ist Kunststoff einfach nur schlecht geeignet. Hochwertige Kunststoffe sind vor allem zäh aber leisten nur wenig Widerstand gegen Deformierung. Das macht die Optikjustage zum Problem.

Geklebter Hauptspiegel auf unjustierbarer Plastikhalterung
Ein tiefer Blick in den Tubus zeigt: Da unten ist alles aus Plastik - der Hauptspiegel hat keine Halteklammern und ist also aufgeklebt.
Verspannungen und Justageprobleme sind zu erwarten.

Fangspiegel-Spinne aus Plastikspritzguss?

Auch sie wird viel zu leicht verformt. Da reicht schon der Druck eines schweren Okulars am Hebelarm des Okularauszugs und schon wird der Tubus zum Ei und die Spinne verformt sich. Die Justage ist dahin, wo eine stabilere Spinne noch dem Tubus Halt gegeben hätte.

Weicher Tubus durch zu schwache Abschlussringe aus Plastik
An diesem Gerät, eingespannt in eine Selbstbau-Montierung, ist alles was nur geht aus Plastik... Spielzeug!

GoTo und unter 100 mm Öffnung?

Das ist ja eigentlich nicht verboten, dass eine GoTo-Steuerung dem Einsteiger das Suchen nach Himmelsobjekten abnimmt. Es ist zwar nicht besonders klug, weil man als Einsteiger so kaum lernt, sich am Himmel zurecht zu finden, aber der Wunsch nach elektronischer Hilfe ist auch verständlich. Allerdings ist es so, dass naturgemäß die Beobachtungsobjekte für relativ kleine Teleskope auch nicht so schwierig zu finden sind. Die interessant beobachtbaren Planeten sind zur günstigen Beobachtungsphase auffällig hell, zumeist das hellste Gestirn in ihrer Himmelsregion. Nimmt man den Tagebogen von Sonne oder Mond als Orientierung, und weiß man aus dem Jahrbuch, dass ein Planet gut beobachtbar ist, dann kann man quasi ohne jede sonstige Orientierung zwischen den Sternbildern einfach mal ein, zwei der hellen Punkte einstellen und wird wohl kaum den 3. Versuch brauchen, um auf einen Planeten zu stoßen.

Zwar wird es mit schwachen Objekten wie Sternhaufen und Nebeln besonders bei störendem Stadtlicht deutlich schwieriger, aber auch das ist zu meistern. Ein Buch mit Kartenwerk um 20 Euro oder ein erster Himmelsatlas für 30 Euro reichen völlig aus, um die spannenden Objekte selbst zu finden. Nach einigen Beobachtungsnächten wird dies immer leichter fallen und ehe man auf Objekte stößt, die wirklich sehr schwer aufzusuchen sind, hat man vielleicht schon ein größeres Teleskop angeschafft - bei dem dann GoTo durchaus eine sinnvolle Option sein kann. Betrachtet man nun aber die Kosten für ein GoTo-System in Relation zu einer Einsteiger-Optik unter 100mm Öffnung, so wird man feststellen, dass man im Prinzip ein GoTo-System bezahlt hat, mit einem kleinen Teleskop als Dreingabe, leider aber mit der ersten unangenehmen Eigenschaft, dass man an das GoTo-System gar kein größeres Teleskop anschließen kann. Die zweite unangenehme Eigenschaft ist, dass die Optik in den meisten Fällen und unter erreichbaren Bedingungen nicht in der Lage ist, auch nur 10% der per GoTo ansteuerbaren Objekte (meistens mehrere Tausend) zu zeigen. Daher kann man in den meisten Fällen auf teures und völlig unsinniges Spielzeug tippen.

Teleskope vom Discounter

Das ist nicht automatisch ein Negativ-Kriterium. Massenware findet man in den entsprechenden Preiskategorien auch beim spezialisierten Astronomie-Händler. Beim Discounter ist eher das Problem, dass man sich nicht lange Gedanken macht. Man stolpert über ein Teleskop - na das könnte doch was sein? Bunte Bilder auf der Verpackung, vollmundige Versprechungen und großspurig aufgezählte Eigenschaften - bevor man da eine Nacht drüber schläft, ist das Angebot ausverkauft. Da lieber doch die Katze im Sack gekauft, und...? Zumindest hat man dann ein Teleskop, mit dem man mal probieren kann. Ein durchdachter Kauf ist das nicht und man sollte nicht zu viel erwarten. Die alte amerikanische Regel “You get what you pay for”, also man bekommt, was man bezahlt, darf sich gerne im Hinterkopf befinden. Daher ist die Erwartungshaltung “Spielzeug” wirklich angebracht.

Kugelspiegel?

Dieser letzte Punkt ist der schwierigste, weil er einem Einsteiger kaum etwas bringt. Ein Kugelspiegel im Unterschied zu einem Parabolspiegel ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Es gibt sogar Teleskope, die Kugelspiegel brauchen.
Aber was hat es nun  mit diesem Punkt auf sich? Viele Einsteiger-Teleskope sind
Newtons. Ein Newton braucht einen Parabolspiegel. Ein Kugelspiegel ist deutlich billiger und ein Newton, den man mit einem Kugelspiegel ausstattet, wird automatisch billiger. Nur... wie bildet das Gerät dann ab? Das hängt von den Eckdaten ab. Beim Spiegel mit 114mm Durchmesser und 900mm Brennweite beispielsweise ist ein Kugelspiegel absolut tolerabel. Einfach weil sich die Oberfläche eines Kugelspiegels mit diesen Eckdaten nur um sehr wenige Nanometer von der eines Parabolspiegels unterscheidet. Beim 150/1200 Newton wird es kritisch. Hier ist ein Kugelspiegel auf Kante genäht und bedeutet einen optischen Nachteil.
Beim 200/800 ist ein Kugelspiegel katastrophal und das Gerät wird geradezu unbrauchbar, weil Sterne immer Flatschen bleiben und nie Punkte werden. Genauso schlecht sieht es mit einem 114/450 oder 114/500 aus. Es gibt diese Optiken mit Parabolspiegel, aber Händlerversprechen wie "anparabolisiert" sind nichts als bloße Etikette. Wer hier unwissend kauft, langt leicht daneben. Der Händler sollte "beugungsbegrenzte Abbildung" zusagen und man hat dann 2 Jahre Gewährleistungsfrist, um das festzustellen. Da lohnt es sich, Anschluss zu erfahrenen Sternfreunden zu suchen.
Geräte, die einen Kugelspiegel zum richtigen Funktionieren brauchen, gibt es auch: Da gibt es den "
Short-Tube-Newton" oder auch "Cat-Newton" genannt, bei dem ein Linsenpaar im Okularauszug oder direkt vor dem Fangspiegel den Fehler des Kugelspiegels ausgleicht. Es sind meist sehr günstige Geräte, die dadurch von der Fertigungsqualität her nicht überzeugen und dann auch nicht die besten am Himmel sind. 114/1000 und 150/1400 sind geläufige Eckdaten. Schmidt-Newtons und Maksutov-Newtons ("Mak-Newtons") nutzen einen Korrektor, der wie eine Linse vor der Öffnung des Teleskops eingebaut ist. Ordentlich gefertigt, sind dies gute bis sehr gute Geräte. Billig gefertigt taugen sie leider nicht...
Auch verschiedene Cassegrain-Optiken brauchen einen Kugelspiegel. Schmidt-Cassegrains und
Mak-Cassegrains sind für gewöhnlich solide Optiken. Aber auch bei diesen Optiken gibt es Versuche, sie zu billig zu bauen, wodurch sie nicht zuverlässig abbilden.

Was darf’s denn sein?
Gar kein Teleskop ist vermutlich schlechter, als ein Spielzeug-Teleskop. Für einige Teleskope, auch solche vom Discounter, gilt das durchaus. Der Erfahrung nach sollte man im Discount-Bereich aber wenigstens Geräte wie einen 70/700 Refraktor (“Linsenteleskop”) oder einen 114/900 Newton (“Spiegelteleskop”) anstreben. Die Gefahr ist allerdings vorhanden, dass die allzu typischen Probleme dieser Produkte den Sternfreund bald frustrieren. Dieser Artikel soll darauf aufmerksam machen, dass man Teleskope auch ohne die benannten Schwachstellen kaufen kann, so dass die Beobachtung zu einer ganz anderen, vor allem angenehmen Erfahrung wird. Sternegucken ist schön. Es muss doch einen Grund haben, dass so viele Menschen weltweit eine tiefe Sehnsucht nach dem Blick ins Universum haben.

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